Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

… Hamburg

~Oliver G. Hamm

Vor acht Jahren legte die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) das Rahmenkonzept »Sprung über die Elbe« vor. Nun geht sie selbst mit gutem Beispiel voran und bezieht als erste Behörde des Stadtstaats einen Neubau auf der größten Flussinsel Europas. Mit ihm wird der vorläufige Schlussstein der Quartiersentwicklung in Wilhelmsburg Mitte gesetzt, die sich nicht so recht zwischen Vorstadt- und Zentrumscharakter entscheiden kann. Mit seinen beiden 5-geschossigen Flügelbauten und dem zentralen 13-geschossigen Turm macht der Behördenbau dabei zweifelsohne die beste Figur. Seine in 20 Farbtönen schillernden Fassaden aus rund 30 000 Keramikelementen fassen sowohl den breiten, die Elbinsel teilenden Bahngraben als auch die ihn querende Neuenfelder Straße, das Rückgrat des neuen Quartiers.
Dass sich in dem komplexen Bauwerk überwiegend Einzelbüros der rund 1 400 Mitarbeiter verbergen, ist ihm von außen nicht anzusehen. Die Architekten hatten in ihrem Entwurfskonzept viel mehr Raumfreiheit gewährleistet, die aber vom Bauherrn – der städtischen Tochter Sprinkenhof AG – und den meisten Nutzern nicht ausgeschöpft wurde. Jedes der acht »Häuser«, in die der BSU-Neubau aufgeteilt ist, wird von einem großzügigen Atrium mit angrenzendem Funktionsraum- und Erschließungskern geprägt. Die Atrien gewährleisten hausinterne Verbindungen »auf kurzem Wege« und eine natürliche Belichtung der Erschließungsflächen. Das Tageslicht und die helle Holzverschalung verleihen ihnen ein freundliches Ambiente. Nur das zentrale und größte Atrium ist öffentlich zugänglich – als Forum dient es der Dauerausstellung des großen Stadtmodells.
Hinsichtlich des Energiekonzepts setzt die BSU neue Maßstäbe für einen Behördenbau dieser Größenordnung (61 000 m2 BGF): hochgedämmte Gebäudehülle mit außenliegendem Sonnenschutz, differenziertes Be- und Entlüftungskonzept mit aktiver Beteiligung der Nutzer und effiziente Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlagen (bis zu 75 %). Über Geothermie wird die Energie zur Beheizung bzw. Kühlung der Räume gewonnen. Die Bemühungen um eine nachhaltige Bauweise und einen energieeffizienten Betrieb wurden von der DGNB mit einem Vorzertifikat in Gold anerkannt.
Standort: Neuenfelder Straße 19, 21109 Hamburg Architekten: Sauerbruch Hutton, Berlin Bauzeit: Dezember 2010 bis März 2013