BOLLES+WILSON, Münster, Foto: Christian Richters, Berlin
25hours Hotel Altes Hafenamt und Cinnamon Turm

… Hamburg

~Claas Gefroi

Viel blieb nicht vom Hafen in der HafenCity: Die Aufschüttung des Geländes auf sturmflutsicheres Niveau überlebten nur wenige Bauten. Zu ihnen gehört der neogotische Hauptbau des einstigen Amts für Strom- und Hafenbau von 1886. Während rundherum das Überseequartier wuchs, fiel das Gebäude in einen Dornröschenschlaf, weil sich die Investoren nicht auf ein Konzept einigten und der Denkmalschutz gegen eine Entkernung für eine Umnutzung zur Markthalle opponierte. Mit dem Verkauf an ein Privatkonsortium erhielten Bolles+Wilson den Auftrag, den Backsteinbau zum zweiten »25hours Hotel« in der HafenCity mit 49 Zimmern umzubauen. Weil der Bau von Tiefgaragen zu Rissen führte, musste das Gebäude zunächst aufwendig gesichert werden, bevor seine Sanierung und Umnutzung erfolgte. Im (derzeit nach einem Brand geschlossenen) Innern rührte eine Designagentur eine sehr bunte Mischung aus vorgefundenen Objekten (u. a. mit alten Türblättern als Bettrücken und einem Rezeptionstresen aus alten Heizungen) sowie neuen, mal modernen, mal auf alt getrimmten Zutaten zusammen. Die Fassaden erstrahlen jedoch nun wieder in alter Pracht. Bedauerlich bleibt, dass das Gebäude nun quasi im Keller steht, weil ringsum die Warften das Gelände auf 7,50 m üNN erhöht haben.
Gleich daneben errichteten Bolles+Wilson einen schmalen, hohen Turm für (Luxus-)Wohnungen, der inmitten eines Meeres aus großen, horizontal gelagerten Blöcken einen städtebaulichen Kontrapunkt setzt.
Im Innern des 56 m hohen und 13 x 16 m schlanken Turms wechseln sich die gesamte Ebene umfassende Wohnungen mit Maisonetten ab, gekrönt von einem dreigeschossigen 300-m²-Penthouse. Mit seinen Knicks und Verjüngungen, seiner Verteilung von offenen und geschlossenen Flächen stellt sich das Äußere immer wieder anders dar. Je nach Wetterlage und Tageszeit erscheint der Turm matt, changierend oder glänzend; die patchworkartigen Fassaden aus farblich nuancierten eloxierten Aluminiumpaneelen spielen mit den Rottönen des Backsteins des alten Amts für Strom- und Hafenbau und der Speicherstadt. Vom »Magdeburger Hafen« aus ist schön zu sehen, wie respektvoll die Architekten mit dem altehrwürdigen Amt verfuhren: Ihr schon vor Jahren errichteter Überseequartier-Infopavillon auf der Linken und der Cinnamon-Neubau auf der Rechten nehmen den Altbau behutsam in ihre Mitte und stärken so seine Wirkung.
Standort: Osakaallee 10, 20457 HamburgArchitekten: BOLLES+WILSON, MünsterFertigstellung: Pavillon: 2008, Wohnturm: 2015, Hafenamt: 2016