Halle Oktober / November 2012
Sitz der Kulturstiftung des Bundes

… Halle (Saale) – Kulturstiftung

~Cornelia Heller

Die vor zehn Jahren in Halle gegründete Kulturstiftung des Bundes zog zunächst als Untermieter in die Franckeschen Stiftungen – eine in ihren Anfängen über 300 Jahre alte Schulstadt mit 40, z. T. historischen Gebäuden, heute Sitz einer Vielzahl von Kultur- und Bildungseinrichtungen, und mit Ambition auf UNESCO-Weltkulturerbestatus.
Seit Oktober 2012 agiert die Stiftung ebendort als naher Nachbar in einem eigenen Domizil: dem realisierten Siegerentwurf eines Wettbewerbs von 2009, der, so die Jury, »in seiner Zeitgenossenschaft authentisch und konsequenter als jeder andere« aus der Konkurrenz herausragte. Die Architekten wagten ein Gebäude, das sich einen gegenseitigen Respekt gebietenden Abstand zu seinem historischen Kontext – darunter das Francke-Wohnhaus – traute und so eigenständig und selbstbewusst in die offene Lücke der Straße einrückte.
Ein schneeweißes Gittergewand ist sein auffälligstes Attribut. Es kleidet, schützt und schmückt das rundherum gläserne Haus auf seiner Schauseite. Seine beiden Giebel- und die Rückseiten indes gewähren Betrachtern ungehinderte Ein- und den 40 Stiftungsmitarbeitern darüber hinaus gute Ausblicke auf ein in Jahrhunderten gewachsenes Gebäudegefüge mit ablesbarer Bautradition. Das abgeschrägte Dach, die mit den Nachbarn harmonierende Trauf- und Firsthöhe sowie das an aussteifendes Fachwerk erinnernde, sichtbar starke Tragwerk aus Stahlbeton mögen so als Hommage und durchaus gelungene Transformation des Alten in das Heute verstanden werden. Die beiden oberen Geschosse über dem Eingang verlassen die Dachschräge als ein angedeuteter Turm und beherbergen Büroflächen mit der privilegiertesten Aussicht auf Platz und Stadt.
Der gleißend-weiße Neubau ist im Innern punktuell farbig. Rückzugsalternativen wie die »Denkzellen« oder »Nester« in der jeder Etage zugewiesenen Farbe setzen Akzente in den Großraumbüros. Als Energiesparwunder gilt das Haus schon jetzt. Im Zusammenspiel von Fassadenlüftung und Wärmetauschern, LED-Beleuchtung und Präsenzschaltungen sowie der Photovoltaik soll der Jahres-Primärenergieverbrauch um 44 % unter der EnEV 2009 liegen.
Standort: Franckeplatz 2, 06110 Halle an der Saale Architekten: Dannheimer & Joos, München Bauzeit: Juli 2010 bis Oktober 2012