Maribor (SLO)

Umbau und Erweiterung des Fußballstadions

~Mateja Medvedič

Mit enormen Budgets und unter Anwendung neuester Bautechniken erwarben sich die in den letzten zehn Jahren allerorten aus- und neu gebauten Sportstadien den Status der Kathedralen des 21. Jahrhunderts. Das neue Fußballstadion in Maribor, der zweitgrößten Stadt Sloweniens, ist wohl nicht von olympischen Ausmaßen, seine erlesene Architektur hingegen kann locker im Ringen um prestigeträchtige Attribute mitmischen.
Den Wettbewerb gewannen im Jahr 1998 die jungen Architekten Špela Videcnik und Rok Oman (Ofis arhitekti) mit Katja Žlajpah und Aleš Žnidaršic (multiPlan arhitekti). Die bestehende Anlage aus den sechziger Jahren mit ihrem Stahlbetonbogen als einziger Tribünenüberdachung sollte auf eine Kapazität von 12 000 Sitzplätzen und um eine Reihe von öffentlichen Einrichtungen erweitert werden, darunter ein Fitnessclub mit Schwimmbecken, Läden, Gaststätten und vier Sporthallen.
Der Entwurf definiert Zuschauertribünen und weitere Nutzungen klar als zwei separate funktionale Elemente und weist ihnen ausgeprägte Einzelformen zu. Die öffentlichen Sporteinrichtungen wurden geschickt auf drei großteils unterirdisch liegende Ebenen verteilt, deren im Rechteck geführte Dachebene die darüber liegenden Tribünen wie auf einem Tablett präsentiert.
Im Kontrast zur rechteckigen Basis steht der für die Fernwirkung des Stadions bedeutsame »Tribünenring«. Er ist in sanftem Auf und Ab hufeisenförmig um die drei bislang freien Seiten des Spielfelds geführt und trägt die elegant über den Sitzreihen schwebende transluzente Tribünenüberdachung aus Acrylglas. Die Räume innerhalb des »Rings« sind beidseitig verglast und stehen für die VIP- und Presse-Bereiche zur Verfügung. Die Wellenform resultiert aus der Überlegung, an jenen Stellen mit guter Sicht mehr Sitzplätze anzubieten als an denen mit ungünstigem Blickwinkel. Wo die Sicht am schlechtesten wäre, reicht der Ring bis zum Boden; an den »blinden Flecken« in den Ecken liegen die Zugänge. Zentral über dem Spielfeld, wo die meisten Sitzreihen hintereinander aufsteigen, erreicht das Dach den höchsten Punkt.
Was den Bau in die architektonische Oberliga hebt, ist seine konzeptionelle Stringenz und seine gestalterische Präzision. Es liegt am glücklichen Zusammenspiel mit der bestehenden Betonschale, der scheinbaren Einfachheit der gekrümmten Formen und der Verwendung elementarer Baumaterialien, dass Maribor nun auf eine außergewöhnliche neue Landmarke stolz sein darf.
Standort: Mladinska 29
Architekten: OFIS arhitekti, Ljubljana (SLO)
Bauzeit: September 2005 bis Juni 2008