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Fulda

Förderschule Startbahn

~Jürgen Tietz

Im Rahmen der Neustrukturierung des weiträumigen Geländes des Antoniusheims in Fulda wurde mit dem Neubau der Förderberufsschule ein weiterer bemerkenswerter Baustein verwirklicht. 1904 gegründet, gilt das Antoniusheim über die Stadtgrenzen hinaus als renommiertes heilpädagogisches Zentrum für Menschen mit Lern- oder geistiger Behinderung. Von Bürgern getragen und durch ein christliches Selbstverständnis geprägt, liegt es in bester Stadtrandlage.
Die derzeit einzige Förderberufsschule Hessens gliedert sich in zwei Teile: den kraftvollen, doppelgeschossigen Unterrichtstrakt und einen rückwärtigen Werkstattflügel. Dem funktionalen Unterschied entspricht die differenzierte bauliche Gestaltung. Der Unterrichtstrakt mit Flachdach ist durch den Dualismus aus Sichtbeton und den großformatigen honigbraunen Holzfenstern gekennzeichnet, die bündig in der Fassade sitzen. Durch seine monolithische Form mit den T-förmig ausgestalteten Seitenteilen, in denen die Fluchttreppenhäuser platziert sind, formulieren die Architekten eine selbstbewusste Geste zur gegenüberliegenden Wohnbebauung. Die großflächige Verglasung mit seitlich angefügtem Öffnungsflügel ermöglicht zudem eine gute Belichtung der Klassenräume, die auch zum Mittelflur hin verglast sind. Das zentrale Treppenhaus sowie die Eingangshalle in der Mittelachse des Bauteils sind so großzügig ausgelegt, dass sie auch für Veranstaltungen genutzt werden können. Durch die pinkfarbenen Treppenwangen erhält der Raum zudem einen markanten farblichen Akzent.
In einer Achse mit dem Haupteingang liegt auch der Zugang zur eingeschossigen Werkhalle. Statt in Beton ist die Fassade dort aus transluzenten Polycarbonatplatten gestaltet, was den Werkstattcharakter betont. Ebenfalls von einem Mittelflur erschlossen, ist den vier Werkräumen jeweils eine überdachte Freiterrasse vorgelagert, durch die der Bezug zum weitläufigen Freigelände des Antoniusheims unterstrichen wird. Mit dem für die Bauten von Sichau und Walter typischen hohen Gestaltungsniveau, das an Schweizer Vorbilder erinnert, überzeugt auch die Fuldaer Förderschule durch ihre disziplinierte Ausführung, die mit funktionaler Konsequenz und ästhetischer Qualität bis in die Details und Oberflächen einhergeht.
Standort: St. Vinzenz Straße, 36041 Fulda Architekt: Sichau & Walter, Fulda Fertigstellung: November 2011, Außenanlagen: Mai 2012