Netzwerkarchitekten, Darmstadt
Evangelisches Gemeindezentrum

… Frankfurt-Zeilsheim

~Rosa Grewe

Manchmal verlangt ein Bauherr die Lösung einer eigentlich nicht lösbaren Aufgabe. Wegen der Lage des Baugrundstücks an einer viel befahrenen Straße war ein Lärmschutz notwendig. Gleichzeitig wollte die evangelische Kirche als Bauherr die inhaltlichen Werte Transparenz und Offenheit baulich manifestiert sehen. Die Architekten planten einen offenen Hof, den zur Nordseite das Gebäude mit zwei Gemeindesälen, zur Südseite, straßenbegleitend, eine 50 cm dicke Lärmschutzwand aus Sichtbeton begrenzen. Nach Westen und Osten ist der Hof offen, der Haupteingang und die Gemeindesäle sind gut einsehbar – die gewünschte bauliche Transparenz ist gelungen. Die Offenheit bleibt jedoch eine optische; die Hoffassaden der Säle sind größtenteils festverglast. Man würde sie ohnehin kaum öffnen, denn der Lärmschutz gelingt nur bedingt.
Im Innern zeigt sich das Gemeindehaus flexibel mit einem durchdachten Grundriss. Die beiden Säle lassen sich schwellenlos zu einem großen Raum verbinden. Dahinter, im nördlichen Gebäudebereich, liegen die Büros und Nebenräume, die mit einer klaren Erschließung und alternativen Eingängen unabhängig voneinander zugänglich sind. Das Gemeindezentrum erfüllt damit eine weitere Anforderung, die hohe Flexibilität in der Nutzung – übrigens nach dem technischen Standard eines Passivhauses.
Aus der Funktion des Gebäudes resultiert die Hauptanforderung: eine besondere Raumatmosphäre im Gemeindesaal und die Unverwechselbarkeit im Stadtraum. Die Atmosphäre im Saal ist jedoch wenig sakral und kontemplativ, bedingt durch die hohe Einsehbarkeit von außen. Doch die Unverwechselbarkeit der Anlage gelang auf beeindruckend originelle Weise. In den schlichten Pavillonbau integrierten die Architekten Elemente, die assoziativ die Nutzung von außen ablesbar machen, etwa trichterförmige Fensteröffnungen mit rahmenlosem Buntglas in der Sichtbetonwand, ganz nach Le Corbusier, ein kreuzförmiger Ausschnitt in derselben Wand als Eingangstor, eine Betonschlaufe im Dach als Glockenturm oder Oberlichttrichter im Gemeindesaal für den Blick zum Himmel. Den gordischen Knoten konnten netzwerkarchitekten nicht lösen, dafür aber bauten sie ein identitätsstiftendes Gebäude, das Zeilsheim endlich einprägsamer macht.
Standort: Pfaffenwiese 111, 65931 Frankfurt-Zeilsheim Architekten: netzwerkarchitekten, Darmstadt Eröffnung: Mai 2011