Schulgebäude

… Frankfurt-Nied

~Rosa Grewe

Die bisher einzige Schule für praktisch bildbare Kinder und Jugendliche in Frankfurt war überfüllt, eine zweite längst notwendig. In einem Wettbewerb im Jahr 2000 überzeugten die im Schulbau erfahrenen Architekten mit einem Entwurf, der dem baulichen Mix des dörflichen Stadtteils Nied ebenso wie den speziellen Raumansprüchen der Schule und mit dem Passivhausstandard den energetischen Vorgaben der Stadt gerecht wurde. Seit 2011 und nach zwei Jahren Bauzeit ist das Haus belebt: 130 Schüler zwischen 6 und 20 Jahren, verteilt auf 18 Lerngruppen und 10 100 m² Fläche. Neben den Klassenräumen gibt es hier Ruhe-, Werk- und Therapieräume, eine Sporthalle, ein Therapieschwimmbad und eine Cafeteria. Die Architekten organisierten die Einheiten wie eine Windmühle mit drei Flügeln, in deren Zentrum ein Atrium als Eingangsbereich für Helligkeit sorgt und Orientierung schafft. Im EG befinden sich die Therapie- und Sporträume, ebenso wie die Ganztagsbetreuung; in den zwei OGs liegen die Klassenzimmer mit multifunktionalen Verbindungsräumen dazwischen.
Kubatur und Volumen der Schule vermitteln zwischen den heterogenen Nachbarbauten, gewöhnlichen Reihenhäusern mit Satteldach und kompakten Flachdachbauten. Der Neubau im Stil der Nachkriegsmoderne erleichtert die Einbindung in den Stadtteil, ist aber äußerlich wenig aufregend: eine Lochfassade mit cremefarben gestrichenem Putz, betonten Fensterfaschen und schwarzen Fensterprofilen. Zum Hingucker jedoch wird die Schule im Innern, wo farbig getönte Wände und Linoleumböden die Stockwerke markieren, die Eingänge zu den Klassenräumen betonen und farbiges Licht auf die restlichen, weißen Wände reflektieren. Glasbrüstungen, raumhohe Panoramafenster zum Treppenhaus, bündig eingelassene Türen und Lichtdecken schaffen auch im Innern eine moderne, dezente Raumatmosphäre, aber mit überraschenden Blickwinkeln: Hinter Glas und vor Farbe, auf den Galerien und unten im lichten Atrium entstehen zahlreiche informelle Räume für die Kinder – Bühnen, auf denen es sich gut beobachten, spielen und toben lässt.
Standort: Werner-Bockelmann-Straße 3, Nied, 65934 Frankfurt a. M. Architekten: Hausmann Architekten, Aachen Bauzeit: März 2009 bis Juni 2011