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ARGE Raumwerk und Spreen Architekten, Foto: Thomas Koculak, Mörfelden-Walldorf
Gymnasium Frankfurt Nord

Gymnasium Nord

~Enrico Santifaller

In den geschwungenen Zeilen in Ernst Mays Siedlung Römerstadt und im Ostteil der Siedlung Praunheim ist der Einfluss von Camillo Sitte deutlich erkennbar. Dagegen verläuft in deren Westteil und erst recht in der südlich gelegenen Siedlung Westhausen alles nach orthogonalen, seriellen, entsprechend kostengünstigeren Maßstäben. Zwischen diesen beiden Wohngebieten wurde nun Europas größte Schule in Holzmodulbauweise eröffnet. Die 210 Module des Gymnasiums Nord bieten 1 500 Schülern seit dem Schuljahr 2018/19 einen neuen Lernort – als Übergangslösung, bis ein endgültiger Standort gefunden ist. Doch die als permanentes Provisorium gedachte Schulanlage, die dann als Interim auch anderen Schulen zur Verfügung stehen soll, bietet hinsichtlich Gestaltung, Orientierung und Raumklima all die Qualitäten, die die Stadt Frankfurt von zukunftsfähigen Schulgebäuden in Massivbauweise fordert.

In jeweils nur wenigen Monaten Bauzeit für zwei Bauabschnitte wurden dazu zwei gegeneinander versetzte Schulgebäude, eine Mensa in Holztafel- sowie eine Dreifeld-Sporthalle in Holzrahmen-Bauweise auf einem waldnahen Areal errichtet. Neben der differenzierten Anmutung, den sorgfältigen Details und der durchdachten Anordnung der Volumina beeindruckt die Schule durch die innovative Konstruktion der vorgefertigten, bis zu 18 m langen und mindestens zwei Fensterachsen breiten Holz-Hybridmodule. Sie vereint die Vorteile des ökologischen Holzbaus mit denen des Massivbaus und ermöglicht einen vorher bei Modulsystemen nicht gekannten thermischen wie akustischen Komfort: Eine
8 cm dicke Betonschicht im Deckenaufbau gewährt hohen Schall- und Brandschutz und wirkt als passive Speichermasse größeren Temperaturschwankungen entgegen. Integrierte Heiz-Kühl-Deckenpaneele bieten ein individuell einstellbares Raumklima zu allen Jahreszeiten.

Schul- und Baudezernat der Stadt versuchen derzeit gemeinsam, nicht nur der quantitativen Herausforderung der massiv steigenden Schülerzahlen zu begegnen. Auch qualitativ sollen neue Maßstäbe gesetzt werden – etwa die Öffnung der Schule zum Stadtteil. Die Architektur des Gymnasiums Nord nimmt mit ihrer seriellen Modulstruktur das städtebaulich wesentliche Merkmal der Umgebung auf und stellt mit ihrem räumlichen Angebot ein neues Zentrum für den Stadtteil dar.

Standort: Muckermannstraße 1, 60488 Frankfurt
Architekten:
ARGE Raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung, Frankfurt, und Spreen Architekten, München
Bauzeit:
1. BA: Februar bis Juli 2018, 2. BA September 2018 bis April 2019