Mailand (I)

Erweiterung Università Bocconi

~Hubertus Adam

1902 wurde die private Wirtschaftsuniversität Bocconi in Mailand gegründet und heute gilt sie in den Rankings als führende Hochschule Italiens für die Bereiche Wirtschaft, Management und Finanzwesen. 1936 errichtete der Rationalist Giuseppe Pagano die ersten Bauten auf dem neuen Campus südlich des Innenstadtkerns nahe der Porta Ticinese, und seither wurden die Baulichkeiten kontinuierlich erweitert. Dabei setzt man seit jeher auf prominente Namen: Giovannia Muzio, Ignazio Gardella und schließlich, mit dem 2008 eröffneten neuen Hauptgebäude, das irische Duo Grafton. Kaum war dieses fertiggestellt, lancierte die Università Bocconi einen neuen Wettbewerb für eine nochmals größere Campuserweiterung südlich der bestehenden Gebäude. Dort wo bis 2006 die städtische Milchzentrale ihr Domizil hatte, sind nun fünf Neubauten nach Entwürfen von SANAA entstanden. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Parco Alessandrina Ravizza motivierte Sejima und Nishizawa dazu, das typische Mailänder Blockraster zu verlassen und hier auf ondulierende und amöbenförmige Volumina zu setzen, die durch perforierte Metallfassaden zu einem Ensemble verbunden sind. Der Grünraum fließt, unterschiedlich stark verdichtet, zwischen ihnen hindurch. Die vertikale Dominante bildet ein zehngeschossiges Studentenwohnheim, dessen ringförmige Disposition samt sich im Innenhof gegenüberstehenden Erschließungstürmen von Togo Muranos Grand Prince Hotel in Kyoto (1988) inspiriert zu sein scheint. Die Nord- und Westseite des Areals besetzen drei sich berührende schlaufenförmige, ebenfalls Innenhöfe umfassende Volumina mit Verwaltungs- und Institutsräumen. Noch im Bau ist das Sportgebäude ganz im Süden des Areals mit dem einzigen Mailänder Hallenbad in olympischen Abmessungen im Sockelgeschoss, Sporthallen sowie einem Indoor-Laufkurs. Dieses Gebäude steht zukünftig auch der Öffentlichkeit zur Verfügung; was etwas darüber hinwegtrösten mag, dass der Campus trotz seinem tendenziell offenen Charakter ansonsten streng zugangsreguliert ist. Das führt dazu, dass die für SANAA typischen pergolaähnlichen Wandelgänge, die Wohnheim und Universitätsgebäude verbinden, nach außen an Metallgitterzäune stoßen, die lediglich visuell permeabel sind.

Standort: Viale Toscana, 28, I-20136 Mailand
Architekten:
Kazuyo Sejima + Ryue Nishizawa, SANAA, Tokio
Bauzeit:
Baubeginn 2016, offizielle Eröffnung Oktober 2019