Lausanne

Einfach transparent: IOC-Hauptquartier

~Gudrun Escher

Der Neubau für das Internationale Olympische Komitee in Lausanne sollte die Marke IOC positiv aufwerten: als funktional, innovativ, sozial und ökologisch wegweisend. Deshalb waren die rund 500 Personen, die hier arbeiten, von der ersten Konzeptphase an eng eingebunden. Sie bestanden auf Besprechungsinseln für durchgängige Transparenz und Klarglaswänden zwischen Bürozonen. Nun haben sie auf allen Seiten durch die Glasfassaden oder von den Arbeitsterrassen aus freien Blick in die Umgebung direkt am Ufer des Genfer Sees; sie bringen Leben und Farbe in die Architektur und sie passen, wenn sie eng zusammenrücken, alle auf die zentrale große Treppe, die die Etagen verbindet.

Als Gast muss man sich authentifizieren, steht aber dann statt in einem abgeschotteten Foyer direkt im Haus und kann sich schnell orientieren. Erster Blickfang ist die Treppe, in hellem Eichenholz abgesetzt vom dominierenden Weiß ringsum. Sie umkreist in etagenweise wechselnden Schräglagen stützenfrei die offene Mitte und erinnert an die olympischen Ringe. Olympischen Bezug haben auch die gerundeten Wände, die auf jeder Ebene an anderer Position die WCs und Service-Räume abschirmen: Sie sind in den olympischen Farben gehalten – da erübrigen sich die meisten Hinweisschilder. Im übertragenen Sinne olympisch ist schließlich der höchste Anspruch an Nachhaltigkeit in allen erdenklichen Dimensionen, von sozialen Aspekten, die in dem neuen Schweizer Zertifikat SMBS mit gefordert werden, bis zu den Materialzertifizierungen nach LEED Platinum Version 4, die selbst den Schweizer Möbelhersteller Vitra vor Herausforderungen stellte.

Nur »lowtech« ist das Haus angesichts seines hohen Grads an Automatisierung nicht. Die geplante Einsparung von 60 % Frischwasser gegenüber einem konventionellen Bürohaus dürfte leicht nachprüfbar sein, denn die WCs werden mit Regenwasser versorgt und die Kühldecken mit Seewasser aus 60 m Tiefe. Das Monitoring der Energieeinsparung steht so kurz nach der Eröffnung natürlich noch aus. Unmittelbar offenkundig aber ist der Gewinn an Umgebungsgrün mit Bäumen und Gründächern sowie an Öffentlichkeit: Das neue IOC liegt als fotogener Blickfang, nur durch einen Graben (und Überwachungskameras) getrennt, in einem öffentlichen Park zwischen einem Campingplatz und der Hochschule EPFL.

Standort: Vidy 9, CH-1007 Lausanne
Architekten:
Arge 3XN, Kopenhagen / Itten+Brechbühl, Basel
Bauzeit:
Mai 2016 bis Juni 2019 (Eröffnung)