Papiermuseum

… Düren

Düren ist die deutsche Papierstadt. Seit Jahrhunderten versteht man sich hier dank dem weichen Wasser der Rur auf die Herstellung von Papier. Ein eigenes Museum widmet sich der Geschichte, der Produktion und Weiterverarbeitung dieses Materials wie auch der Papierkunst. Es ist dem Leopold-Hoesch-Museum angeschlossen und von dessen bis 2010 von Peter Kulka kompromisslos monolithisch erweitertem Komplex (nach vorne hin ein opulent neobarocker Bau von Georg Frentzen aus dem Jahr 1905) nur durch eine schmale Anliegerstraße getrennt. Doch der Bruch könnte kaum größer sein: Die Architekten unterzogen das in die Jahre gekommene Bestandsgebäude in einem Block einfacher Nachkriegswohnhäuser – eine Ölhandlung aus den 50er Jahren, die in den 80er Jahren zum Museum avancierte – einer sowohl baulichen als auch szenografischen Neugestaltung. Nach überzeugenden Vorstudien war Klaus Hollenbeck von der Stadt Düren direkt mit Neubau und Erweiterung beauftragt worden. Leicht sollte die neue Erscheinung sein, sich abheben, darin war man sich schnell einig. Wie eine Origami-Figur scheint das neue Papiermuseum nun seine Form und Stabilität aus der Faltung des Materials zu generieren, kühn reckt sich die Spitze zu Kulkas Erker hin – Papier nur in der Anmutung: Unter dem strahlend weißen Putz verbergen sich Beton für den Neubau und eine Stahlkonstruktion vor dem Bestand. Tief in das Material eingeschnitten sind drei Öffnungen; der breit gefasste Eingang ist nicht zu verfehlen. Der Schriftzug darüber, Ton in Ton, glatter in rauem Putz, ist je nach Licht wie ein Wasserzeichen lesbar. Darunter ein Punktenebel: dieselbe Information in Braille-Schrift. Niemand wird sie dort oben ertasten können, doch gibt sie den Sehenden einen Hinweis darauf, dass Düren auch eine lange Tradition als »die Stadt der Blinden« hat. Sowohl das Museum mitsamt Mobiliar als auch die Ausstellung wurden allen Bedürfnissen entsprechend barrierefrei geplant. Zweigeschossig und in der Fläche fast verdoppelt, verfügt das Museum neben Lobby und multifunktional nutzbarer »Paperlounge« über eine kompakte Ausstellungsfläche, für die die Architekten mit expo2508, Bonn, eine schlüssige und vielfach interaktive Dramaturgie entwickelt haben, die der scheinbar so trockenen Materie einen ungeahnten Charme verleiht. Selten bietet sich Architekten die Möglichkeit, ein Projekt so ganzheitlich zu durchdenken. Die Bauherren haben den Gestaltern die Freiheit gelassen, Neues zu wagen und Ideen konsequent zu verfolgen, von der städtebaulichen Figur über Räume und Mobiliar, die auch als außerschulischer Lernort geplant wurden, bis zur Beantwortung der Frage, was gezeigt werden soll und in welchem Kontext.

~Uta Winterhager

Standort: Wallstraße 2-8, 52349 Düren
Architekten:
Hollenbeck Architekten, Köln
Eröffnung: September 2018