DEU, Dreden, 08/2008, Internat des Landesgymnasium für Musik "Carl Maria von Weber", Dresden, Architekten: Schulz & Schulz, Fertigstellung 2008, Baukörper, Würfel, Stileiche, Baukörper gruppieren sich um die alte Stileiche, gefasster Außenraum, zweigeschossig, Bildtechnik: Dia Mittelformat
Internatsgebäude des LandesMusikgymnasiums

… Dresden

~Matthias Grünzig

Das Sächsische Landesgymnasium für Musik »Carl Maria von Weber« ist in der prächtigen »Villa Rothermund« untergebracht. Für die wachsende Zahl auswärtiger Schüler mussten in ihrem weitläufigen Garten neue Internatsgebäude errichtet werden. Diese Aufgabe glich allerdings der Quadratur des Kreises, denn die Neubauten sollten nicht nur Raum für 48 Schüler und ihre Erzieher bieten, sondern sich auch möglichst unauffällig in den Park einfügen und die Villen der Nachbarschaft nicht überragen. Die Architekten haben sich viel einfallen lassen: Sie verteilten die Räume auf zwei Würfel, die sich in ihrer Höhe an den zweigeschossigen Villen der Nachbarschaft orientieren.
Um innerhalb dieser Höhe dennoch vier Etagen unterbringen zu können, wurde das Baugelände zuvor um einen Meter abgesenkt. Fenster, die über zwei Etagen reichen, und der Wechsel von hellgrauen und dunkelgrauen Fassadenflächen lassen die Neubauten wie zweigeschossige Gebäude erscheinen.
Das Ergebnis dieser Bemühungen ist ambivalent. Die beiden Gebäudekuben wirken tatsächlich angenehm zurückhaltend. Sie fügen sich nicht nur harmonisch in die Gartenlandschaft ein, sondern überlassen auch der Villa Rothermund die Hauptrolle. Der Preis dieser Unauffälligkeit wird aber sichtbar, sobald man die Innenräume betritt. Die Räume sind aufgrund der Höhenbegrenzung nur 2,40 Meter hoch und erscheinen auch sehr niedrig. Zwar gaben sich die Architekten einige Mühe, die Enge der Räume gestalterisch zu überspielen – in den Zweibettzimmern der Schüler dominieren große Fenster, weiße Wände und helle Fußbodenbeläge; ebenfalls weiß sind die äußerst sparsam eingesetzten Möbel – doch dieser Minimalismus wirkt eher spartanisch als großzügig. Die Unbehaglichkeit setzt sich in den Gemeinschaftsräumen fort. Schlichte Eichentische und Einbaumöbel aus hellem Holz verbreiten eine karge Atmosphäre. Am Ende steht die Erkenntnis, dass die überzogenen Nutzflächenvorgaben auch durch Kunstgriffe nicht bewältigt werden konnten.
Standort: Mendelssohnallee 34 Architekten: schulz & schulz Architekten, Leipzig Fertigstellung: Oktober 2008