Renaissancehaus auf Gut Gamig

… Dohna (bei Dresden)

~Frank Peter Jäger

Seit 1991 nutzt der Verein Gut Gamig e.V. die Baulichkeiten des ehemaligen Ritterguts für die Rehabilitation psychisch kranker Menschen. Mit dem Renaissancehaus, einem rund 500 Jahre alten Wohn- und Wirtschaftsgebäude, zeigt sich nun ein Herzstück der Anlage wiederhergestellt. Im umgebauten Haus entstanden sechzig zusätzliche Arbeitsplätze für die Biolandwirtschaft der Einrichtung.
Nach der vollständigen Entkernung fügten die Dresdner Architekten Geier Binning Steinfelder zwei neue Etagen in die Hülle des alten Wirtschaftsgebäudes ein. Dabei blieb die Erscheinung der Hauptfassade mit ihren Ziergiebeln und dem filigranen Glockenturm unverändert. Viele ihrer Details erneuerte man sorgfältig. Erst wer ein paar Schritte um das Gebäude herumgeht, erblickt sein zweites, modernes Gesicht: Eine schlichte, mit dunkel gebeizter Esche und hellgrauen Faserzementplatten verkleidete Fassade mit großen Öffnungen.
Die Verzahnung von Alt und Neu gelang souverän: Die modernen Elemente sollten nicht lautstark hervortreten aber erkennbar sein, weswegen der neu hinzugefügte Teil leicht aus dem Grundriss des alten Hauses hervortritt. Die Bewahrung des buckeligen, 500 Jahre alten Dachstuhls war eine Auflage der Denkmalpflege. Während der Bauzeit wurde er von einem System stählerner Hilfsstützen abgefangen.
Das Projekt provoziert die Frage, inwieweit eine Totalentkernung mit dem Denkmalcharakter eines Gebäudes vereinbar ist. Aus Sicht der Architekten ließen sich die geplanten Nutzungen nicht bei vertretbarem Aufwand in die bestehende Substanz integrieren. Ralf-Peter Pinkwart vom Landesdenkmalamt Sachsen betrachtet die seit 16 Jahren vom Büro Geier Binning Steinfelder betreute Erneuerung des Ensembles als »denkmalpflegerische Erfolgsgeschichte«. Gemessen am bauhistorischen Rang des Renaissancehauses sei die hier gefundene Lösung sehr respektabel.
Standort: Ortsteil Gamig Nr. 2 Architekten: Geier Binning Steinfelder Architekten, Dresden Fertigstellung: Mai 2008