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Foto: Brigida González, Stuttgart
Ulm

Bürgerdienste der Stadt Ulm

~Simone Hübener

Die Namensänderung von Bürgerbüro zu Bürgerdienste spricht Bände: Die Verantwortlichen der Stadt Ulm haben sich mehr Bürgernähe in Kombination mit hoher Servicequalität und einem adäquaten Arbeitsplatz für die eigenen Mitarbeiter auf die Fahnen geschrieben.

Dazu wurde im Jahr 2013 ein Realisierungswettbewerb für ein zentral gelegenes, 18 Mio. Euro teures Dienstleistungszentrum ausgelobt, das die bislang verstreut liegenden Abteilungen zusammenfasst; als Sieger ging daraus das Büro Bez + Kock hervor.

Die innere Struktur des Entwurfs ist dabei klar und überzeugend zugleich. Alle Funktionen mit regem Publikumsverkehr finden sich im EG und im 1. OG. Je höher die Büros im fünfstöckigen Turm gelegen sind, desto weniger Besucher sind zu erwarten. Die Kombination aus Flach- und Kopfbau ist auf den Städtebau entlang der Olgastraße zurückzuführen. Dieser ist von mehreren Türmen geprägt, denn die Straße zeichnet den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer nach.

Reste dieser Mauer wurden auch beim Aushub der Baugrube gefunden. Zwei Fragmente ließen Bauherr und Architekten bergen und in die EG-Wände integrieren, sodass sie zu Teilen des Neubaus wurden, anstatt wie Exponate in einem Museum zu wirken. Die ersten beiden Etagen sind durch ein großzügiges Atrium verbunden, wodurch ein heller, freundlicher Raum entsteht. Trotz vieler glatter Oberflächen und der offenen Struktur beeindruckt die Akustik. Die roten Filzpaneele als Trenner zwischen den Serviceplätzen sowie die akustisch aktivierten Schranktüren und Flächen unterhalb der Theken funktionieren bestens. Die Verbindung zweier Geschosse durch ein Atrium setzt sich in den oberen Etagen fort und zwar jeweils versetzt auf beiden Seiten des Funktionskerns.

Die fugenlose Ortbeton-Fassade ist als selbsttragende Schale vor den tragenden Kern gestellt und an diesen nur punktweise mit verschieblichen Lagern rückverankert. Nur so war es möglich, auf die Ausbildung von Fugen verzichten zu können. Um den beigemischten, regionaltypischen gelblichen Jura in unterschiedlicher Ausprägung sichtbar zu machen und der Fassade eine noch edlere Anmutung zu verleihen, wurde der Beton gestockt und scharriert. Die Laibungen mit einer Tiefe von 50 cm sind nach innen leicht schräg zulaufend ausgebildet, woraus sich bei schräger Ansicht ein geschlossenes Erscheinungsbild ergibt. Das »zweite Rathaus Ulms« wirkt dank diesem Material (und auch anderer wie z. B. geschliffenem Terrazzo und lackiertem Holz) hochwertig und seiner Funktion angemessen.

Standort: Olgastraße 66, 89073 Ulm
Architekten:
Bez + Kock Architekten, Stuttgart
Bauzeit:
August 2015 bis Januar 2019