Gymnasium

… Buchloe

~Klaus F. Linscheid

In unserer reizüberfluteten Welt muss der Eindruck entstehen, dass immer nur diejenigen wahrgenommen werden, die sich lauter, aggressiver, auffälliger und dominanter gebärden als andere – auch in der Architektur. Es fallen aber auch Gebäude auf, die sich diesem Hype widersetzen. Das neue Gymnasium in Buchloe besticht durch Bescheidenheit, Sachlichkeit und Reduktion und ruht dadurch in sich selbst. Für eine Schule könnte es kaum eine angemessenere Formensprache geben. Von Weitem präsentiert sich das erst noch im Aufbau befindliche Gymnasium (zehn Klassen und knapp 280 Schüler) zunächst als langer, zweigeschossiger Riegel. Der zentrale Eingang mit seinem weiß verputzten, nach außen halbkreisförmig herausgewölbten Treppenhaus gibt dem Ganzen Halt. Die Ost-/West-Orientierung der Klassenzimmer und Fachräume sowie der Dachüberstand schützen vor zu heftiger Sonneneinstrahlung im Sommer. Durch die langen Fensterbänder werden sie jedoch üppig belichtet. Linker Hand wurde die Dreifachsporthalle nahezu nahtlos in den Gesamtbaukörper integriert. Rechter Hand umschließt der nördliche Trakt einen Innenhof in T-Form, der in der warmen Jahreszeit auch als Erweiterung der Mensa und als begrünter Pausenhof dient. Die kongeniale Anordnung der Funktionsbereiche ist ein wesentlicher Pluspunkt dieses Gebäudes. Zentraler Anlaufpunkt, Treffpunkt und Verteiler ist die zweigeschossige Aula, die über Lichtkuppeln indirekt beleuchtet wird. Dadurch wirkt sie hell, freundlich und sehr einladend. Flankiert durch die Mensa auf der Nordseite und eine Bühne gegenüber kann die zentrale Halle bei Veranstaltungen vergrößert werden. In den Pausen spielt sich hier das schulische Miteinander ab.
Einen dezent regionalen Touch erhält die Fassade mit ihrer dunkel lasierten Stülpholzverschalung und den weißen Fenstern. Den Innenraum prägen klarer Sichtbeton und ein anthrazitfarbener Natursteinboden. Das Gebäude wurde nach dem Modell der Öffentlich Privaten Partnerschaft (ÖPP) im Passivhausstandard geplant. Der Betreiber hat die Schule für insgesamt 35 Mio. Euro errichtet und betreibt sie dafür 20 Jahre lang. Nach nur 16-monatiger Bauzeit ist dies ein Modell, das im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen dürfte.
Standort: Kerschensteinerstraße 6, 86807 Buchloe Architekten: LRO-Architekten, Lederer+Ragnarsdóttir+Oei, Stuttgart Bauzeit: März 2012 bis Juli 2013; Eröffnung: September 2013