Messner Mountain Museum, Kronplatz

… Bruneck (I)

~Wojciech Czaja

»Dieses Museum ist ein Wunderwerk in Perfektion, und ich könnte mir kein besseres Gebäude an dieser Stelle vorstellen«, lässt Reinhold Messner vernehmen als er viele Meter über dem Abgrund windumbraust auf dem Balkon seinen Blick über die Ötztaler Alpen, die Ortlergruppe und die schneebedeckte Marmolata schweifen lässt. »Aber mit Zaha Hadid zusammenzuarbeiten, das ist, wie wenn zwei Welten aufeinander knallen, wie wenn man das Unmögliche möglich machen muss. Ich habe noch nie so viele weiße Haare bekommen wie gegen Ende dieses Projekts.«
Man kann die Nervenstrapazen des ehemaligen Extremsportlers nur allzu gut nachvollziehen. Das im Juli eröffnete Messner Mountain Museum (MMM) am Kronplatz, eine beschauliche Gondelfahrt vom Südtiroler Metropölchen Bruneck entfernt, ist ein Denkmal für die Architektur vielleicht, ein Monument der britischen Pritzker-Queen, ganz in alt bekannter Zeichensprache und Manier, gewiss, aber kein gut bespielbares Museum für die Geschichte und Gegenwart des Alpinismus. Da kämpfen Messners geradlinige Zitate gegen die Schiefwinkligkeit der daumendicken Schattenfugen, da knallen gülden gerahmte Aquarell- und Ölbilder auf Hadids scharfkantig geschnittene, zweiachsig gekrümmte Betonguss-Platten, 200 Stück an der Zahl, mit einem komplexen Innenleben aus Aluminiumwaben, Kohlefasermatten und hochverdichtetem Beton. Bei aller Liebe zu den dynamischen Räumen und hinabführenden Rampen, die dramatische Blicke auf das gebirgige Panorama freigeben: Die stilistische Diskrepanz an diesem Ort tut bis ins Innerste weh.
Zwar stecken Teile des MMM, wie medienwirksam gepriesen wird, bis zu einer gewissen (Un-)Tiefe in der Erde, letztlich aber stellt sich die viel beworbene unterirdische Architektur als massiver Hochbau heraus, der nach Fertigstellung mit dem Aushubmaterial der Fundamente und tiefst gelegenen Ausstellungsräume zugeschüttet und anschließend mit den zwischengelagerten Substratschichten bedeckt wurde. Aus dem Geröllberg ragen drei Betonröhren, die in ihren rechteckig geblähten Querschnitten ein wenig an die allerersten Apple-Monitore erinnern. Vor einer der Röhren schiebt sich wie eine futuristische Unterlippe die Terrasse vor.
Es ist Kritik auf höchstem Niveau. Bei aller konzeptionellen Unschärfe setzt das MMM in der von hoher Muse bislang verschont gebliebenen Hochalpenarchitektur mit all ihren Panoramarestaurants und Gondelstationen immerhin neue, erträglich Maßstäbe. Vielleicht ist dieser Beitrag mehr wert als die inhaltliche Themenverfehlung des 3 Mio. Euro teuren Bauwerks.
Standort: Plan de Corones, I-39030 Pieve di Marebbe
Architekten: Zaha Hadid Architects, London
Bauzeit: Juni 2013 bis Juli 2015