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Foto: Cornelia Heller, Magdeburg
Gardelegen

Besucher- und Dokumentationszentrum Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe

~Cornelia Heller

Lang, sehr lang erstreckt sich neben einem säumenden Feldweg das Besucher- und Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe im sachsen-anhaltischen Gardelegen. Es folgt am südlichen Rand der Freiluftgedenkstätte streng linear der historischen Spur jener über 1 000 Häftlinge, die man am Abend des 13. April 1945 von Gardelegen aus in die Feldscheune des Guts Isenschnibbe trieb und bei lebendigem Leibe verbrannte. Schon seit Sommer 1944 hatte das Wachpersonal von SS und Wehrmacht vor den heranrückenden alliierten Truppen systematisch und europaweit die Konzentrationslager geräumt und sich der Häftlinge auf Todesmärschen zu entledigen versucht.
Isenschnibbe steht exemplarisch für diese Gräueltaten.

Wie in einem Sarkophag scheint im neuen Haus diese schreckliche Erinnerung bewahrt. Zugleich wird sie in Glasflächen gerahmt und gespiegelt. Dafür haben die Architekten (BHBVT, Wettbewerbssieger 2016) bedeutungsaufgeladene Öffnungen aus dem flachen, monolithischen Baukörper geschnitten. Die größte bildet (neben einem prägnanten Eingang auf der Ecke) ein schräg zum Gedenkstättenareal gerichtetes, 13 m breites Panoramafenster. Es ermöglicht aus dem Auftaktraum einen weiten Blick auf den ab den 50er Jahren entstandenen und von der DDR-Gedenkkultur ideologisch gefärbten Erinnerungsort mit der nachgebauten Scheunenfassade sowie das Meer weißer Holzkreuze des militärischen Ehrenfriedhofs von 1945. Außen wirft je nach Blickwinkel das Glas eben diese Elemente bildhaft zurück und gibt so Anstoß zu vielfacher gedanklicher Reflexion.

Im Innern erschließt ein rund 40 m langer Wandelgang zunächst Büro- und Seminarräume mit vorgelagertem Empfangstresen, ehe er in eine chronologisch, teilweise als »Graphic Novel« gestaltete Dauerausstellung mündet (Gestaltungsagentur KOCMOC, Leipzig, Wettbewerbssieger 2016). Geschehnisse und Erinnerungen werden hier aus unterschiedlichen Perspektiven nachvollzogen. Sie bilden die Basis des Bildungsauftrags des Zentrums.

Standort: An der Gedenkstätte 1, 39638 Hansestadt Gardelegen
Architekten:
BHBVT Gesellschaft von Architekten, Berlin
Schlüsselübergabe:
Oktober 2019 (Die ursprünglich zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs geplante Eröffnung ist auf einen unbekannten Zeitpunkt verschoben.)

https://gedenkstaette-gardelegen.sachsen-anhalt.de/