DEU, Berlin, 06/2010, BMELV, Architekt: Anderhalten, Bildtechnik: Digital Kleinbild und Mittelformat
Berlin

Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

~Ralf Wollheim

Wilhelminische Prachtbauten, einstmals repräsentative Gebäude und profane Wohnblöcke aus sozialistischen Zeiten bilden das äußerst heterogene Umfeld des Ministeriums. Schon seit einigen Jahren nutzt es das ehemalige Kaiserliche Civil-Kabinett als Berliner Dienstsitz. Nun wurde es um einen benachbarten Altbau im Blockinnern und einen Neubau mit knapp 160 Büros entlang der Französischen Straße erweitert. Mit dem neuen Bürogebäude verbinden und erschließen Anderhalten Architekten die verschiedenen Häuser und folgen dabei der typischen Berliner Blockstruktur. Den häufig monotonen Charakter vieler Blockrandbebauungen variieren sie jedoch auf subtile Weise durch leichte Vor- und Rücksprünge in der Fassade. Die extrem lange Straßenfront erhält so – je nach Standort des Betrachters – einen mehr oder weniger dynamisch wirkenden Schwung, der die unregelmäßige Grundform zweier Atrien nach außen vermittelt. Auch die Gestaltung des EGs widerspricht dem ersten, streng orthogonalen Eindruck. Dem Gefälle der Straße folgend entwickelt sich aus einem schmalen Fensterband beim Mitarbeitereingang eine großzügig verglaste Ecke zur Wilhelmstraße mit dem dahinter liegenden Konferenz- und Pressebereich. Die dagegen recht massiv wirkende Fassadenverkleidung mit ihren rautenförmigen, dunkelgrauen Elementen aus Naturstein verstärkt die skulpturale Wirkung des Baus, der sich in dem schwierigen Umfeld gut behauptet.
Die beiden unregelmäßig geformten Atrien, die sich in der Höhe verbreitern und deren massive Brüstungen zusätzlich unterschiedlich geneigt sind, führen nicht nur die plastische Formensprache im Innern fort, sondern dienen auch der Thermik. Schließlich musste bei dem Entwurf auch auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Betonkerntemperierung, Lüftungskonzept und besonders die Auswahl der Materialien entsprechen den hohen Ansprüchen des Bauherrn. Selbst das Farbkonzept geht darauf zurück. Denn die Flure wurden nicht ockergelb gestrichen sondern mit Lehm verputzt.
Standort Neubau: Französische Straße 1, 10117 Berlin Architekten: Anderhalten Architekten, Berlin Bauzeit: 2004 bis 2010 (Wettbewerb: 2003)