Aufbau Haus 84

… Berlin – Haus 84

~Jürgen Tietz

Was einmal klappt, kann ja auch beim zweiten Mal gut gehen, dachte man sich bei der Aufbau Haus GmbH und errichtete ein zweites Gebäude am Moritzplatz. Vor gerade einmal vier Jahren war 2011 dort das erste Aufbau Haus nach Entwurf von Clark und Kuhn ( s. db 11/2011) mit seiner mächtigen Sichtbetonfassade entstanden und schloss einen Teil jener Platzfront, die die Prinzessinnengärten gleich gegenüber hoffentlich auch zukünftig offen lassen. Gleich nebenan steht nun das »neue« Aufbau Haus. Frank Barkow und Regine Leibinger sind mit ihrem Entwurf aus einem kleinen Wettbewerb hervorgegangen, dessen Leitmotiv die Flexibilität der Nutzung war. So gruppiert sich die konstruktive Betonstruktur um zwei Erschließungskerne und lässt damit der im Haus angesiedelten Kreuzberger Kreativszene möglichst großen Freiraum bei der weiteren Ausgestaltung der Grundrisse auf den fünf Etagen. Ein zusätzliches Staffelgeschoss bekrönt das Aufbau Haus in lichter und leichter Holzbauweise. Der Wechsel in den Geschosshöhen von den repräsentativeren Räumen am Moritzplatz zu den Normalgeschossen entlang der Oranienstraße lässt sich leicht an der Fassade ablesen. Ebenso zeichnet sich dort die auf zwei schmale Achsen zusammengezogene Vermittlung zum angrenzenden historischen Elsnerhaus von 1914 ab. Das Verlockende am neuen Aufbau Haus ist zum einen seine brillant zurückhaltende und zugleich prägnante Gestaltung der Fassade, die erfreulicherweise auch die Hofansicht auszeichnet, zum anderen der assoziative Freiraum, den es für die Betrachter eröffnet. Wer stand hier baugeschichtlich Pate? Der frühe Egon Eiermann mit seinem Total-Gebäude in Apolda? Oder doch der immer wieder schwer unterschätzte Max Taut, dessen ehemaliges Kaufhaus am Oranienplatz in Sichtweite liegt? Oder versteht sich das Aufbau Haus gar als Reminiszenz an die »Rasteritis« der Westberliner Nachkriegsmoderne mit ihrem kühlen Charme? Wer sich solchem Schwelgen in Baugeschichte verweigert, kann das Haus mit vorgehängter Betonfertigteilfassade, Aluminiumfenstern, dunkler Natursteinbrüstung und Betonkerntemperierung auch einfach als modernes Loftgebäude begreifen, das als späte Stadtreparatur in einem typisch berlinischen Umfeld aus hingetupfter Nachkriegsmoderne, revolutionärem Grün und Nachwendehässlichkeit eine ziemlich gute Figur macht.
Standort: Prinzenstraße 84, 10969 Berlin Architekten: Barkow Leibinger, Berlin Bauzeit: Januar 2014 bis Oktober 2015