Weimar

Bauhaus-Museum Weimar

~Ingo Andreas Wolf

In hellem Grau erscheint der hoch aufragende Quader und zentriert den spröden Stadtraum zwischen Gauforum, Weimarhalle und -park souverän aus der zweiten Reihe heraus. Prägnante Tür- und Fensterlaibungen bieten im Zusammenspiel mit horizontalen Fugenbändern ein scharfkantiges Schattenspiel, dessen feine Lineatur einen Hauch von Tektonik auf den Monolithen zaubert. Bei Dunkelheit steigert sich dieser Effekt mittels eingelassener Lichtbänder zu einer zeitgenössisch-medialen Renaissance. Diese sorgfältig detaillierte Beton-Fugen-Gestaltung findet innen ihre Entsprechung in kassettierten Terrazzoböden und Sitzmöbeln und kulminiert in einem vielfadigen Satelliten-Gespinst des Künstlers Tomás Saraceno oberhalb des Entrees.
Die Vertikalerschließung ist über mehrere einläufige Treppen verteilt und in der Aufwärtsbewegung etwas unklar, im finalen Abgang über die »Himmelstreppe« hingegen dank eines fantastisch überhöhten Kopfraums grandios. Unverständlich nur, dass ausgerechnet in diesen präzisen Treppenräumen die Fugenkunst aussetzt und Wände wie Läufe einen eher lieblosen Eindruck machen.
Der White Cube bietet drei Ausstellungsebenen, die sich über Lufträume ineinander verschränken und so spannende Blicke freigeben.
Die Präsentation (Ausstellungsarchitektur: Holzer Kobler Architekturen, Zürich/Berlin) erfolgt v.  a. mittels Leuchtkästen und -vitrinen, deren Streulicht über rahmende Lichtbänder noch verstärkt wird und den Weg des Besuchers nicht nur hinreichend ausleuchtet, sondern den Raum wie ein Turrell’sches Schauhaus wirken lässt. Den Bauhaus-Objekten tut diese radikal visuelle, auf museal-affirmative Begleittexte verzichtende Präsentationsform überaus gut. Sie streifen den Jubiläumsmuff ab und erscheinen frisch als Artefakte höchsten künstlerischen Rangs.
Besonders bei der Mies van der Rohe gewidmeten raumplastischen Enfilade aus farblich nuancierten Textilwänden scheinen das Gebäude und seine Architektin Heike Hanada ganz bei sich zu sein, einem Gesamtkunstwerk aus Fuge, Farb- und Lichtfeld nahe.
Im Außenraum arbeiten Vogt-Landschaftsarchitekten komplementär. Parkseitig mit organisch geformten Böschungen aus grober Schüttung, stadtseitig mit geneigten Ebenen und abstraktem Höhenspiel in den Baumscheiben. Ärgerlich sind nur die Lichtstelen, deren Überhöhung dann doch noch genau die autoritären Muster wachruft, die das fein ausgewogene Ensemble ansonsten gekonnt meidet.

Standort: Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar
Architekten:
heike hanada_laboratory of art and architecture, Berlin,
mit Architekturbüro Manfred Schasler, Berlin
Bauzeit:
November 2015 bis Frühjahr 2019, Eröffnung: April 2019
Ausstellungsfläche: ca. 2.000 m²
Gesamtkosten: 22,6 Mio. Euro
Auszeichnung: Architekturpreis der Architektenkammer Thüringen 2019


Lesen Sie auch die konzentrierte Zusammenfassung des
zickzackförmigen Planungsverlaufs

Bauhaus-Museum Weimar

Der Bau. Zwischen Wille und Verhängnis »
von Wolfgang Kil
auf der Seite »Marlowes«.