Naturbad Riehen

… Basel-Riehen (CH)

~Hubertus Adam

1979, im Jahr nach ihrer Bürogründung, erzielten Herzog & de Meuron den ersten Preis beim Wettbewerb für ein neues Schwimmbad der Stadtbasler Gemeinde Riehen. Mit einer Kombination aus Hallen- und Freibad entsprach das ambitionierte Projekt ganz dem Geist der Zeit. Finanzielle Motive führten zur Verzögerung, doch auch mit der Redimensionierung auf ein Freibad kam die Gemeinde nicht voran. Mal wurde der Standort bekämpft, mal das Betriebskonzept infrage gestellt; das Bad Riehen beschäftigte die Architekten über Jahrzehnte. Erst als 2007 die von Basler Seite aus heftig umkämpfte Zollfreistraße, welche die deutschen Gemeinden Weil am Rhein und Lörrach auf Schweizer Territorium verbindet, Konturen annahm, begann ein Neustart. Der neuen Trasse musste das bestehende Freibad aus dem späten 19. Jahrhundert weichen, und so fiel der Entschluss, als Ersatz über dem Straßentunnel ein neues Bad zu errichten. Kein Sport- oder Spaßbad lautete nunmehr die Devise, sondern ein »Naturbad«. Die Wasseraufbereitung erfolgt hier mit biologisch-mechanischen und nicht mit chemischen Prozessen, wobei man sich die Selbstreinigungskraft der Natur zunutze macht.
In unmittelbarer Nähe zur Grenze, zwischen dem Flüsschen Wiese und der grenzüberschreitenden Straße gelegen, öffnet sich die neue Badeanlage zum Fluss hin, während die übrigen Seiten von einem hohen Zaun aus hellem Lärchenholz umgeben sind. Dieser ist im Westen als raumhaltiger Baukörper mit Kasse, Café, Garderobe, Toiletten und Sonnendeck ausgebildet; weitere Garderoben- und Duscheinheiten sind in Abständen in die Umfassungswand eingelassen. Der umlaufende Sockel dient als Ruhefläche und wird durch die pultartige Verdachung je nach Sonnenstand partiell verschattet. Holz prägt auch die Stege, auf denen man zum Wasser gelangt, und die Sprungturmanlage. Die Schwimmbecken selbst folgen dem üblichen Programm (25-m-Becken, Nichtschwimmer-, Planschbecken, Sprungbecken), sind aber nicht als orthogonale Volumina ausgebildet, sondern in eine organisch geformte Badelandschaft integriert, an deren Rändern Wasserpflanzen wachsen. Herzog & de Meuron haben hier nicht auf das Spektakel gesetzt, sondern ein überaus sympathisches und ruhiges Bad geschaffen, dessen Gestalt an die historischen See- und Flussbadeanstalten der Schweiz erinnert. Wer will, kann auch Referenzen zu den hölzernen Beispielen des Neuen Bauens in Riehen erkennen – das Haus »Im Schlipf« (1924/25) von Hans Schmidt beispielsweise steht direkt oberhalb der Badenanlage am Hang des Tüllinger Hügels.
Standort: Weilstraße 69, CH-4125 Riehen Architekten: Herzog & de Meuron, Basel Bauzeit: April 2013 bis Juni 2014