Foto: Kunstmuseum Basel, Foto: Julian Salinas
Erweiterung Kunstmuseum Basel

… Basel (CH)

Es brauchte 20 Jahre Debatte, bis der Erweiterungsbau für das 1936 eingeweihte Kunstmuseum Basels entstehen konnte. Erst die Zusage der Industriellen-Erbin Maja Oeri, 50 Mio. CHF – derzeit etwa 45 Mio. Euro – und das für weitere 20 Mio. CHF erworbene Grundstück jenseits der Straße zu stiften, wenn Stadt und Kanton sich mit der gleichen Summe beteiligen, brach das Eis. 2010 gewannen Emanuel Christ und Christoph Gantenbein den Wettbewerb für den 11 000-m²-Neubau mit Foyers, Werkstätten und Depots sowie etwa 2 500 m² neuer Ausstellungsfläche.
Der Baseler Neubau dürfte noch für längere Zeit für Debatten sorgen. Haben sich doch die Museumsdirektion und die Architekten entschieden, statt flexibel einzuteilender Museumshallen fest definierte Räume einzurichten. In der Auseinandersetzung mit der kraftvollen Architektur soll sich die Kunst durchsetzen. Aus städtebaulichen Gründen wurde zur Rheinbrücke der Neubau spitzeckig eingezogen, seine nur von vier großen, hochrechteckigen Fenstern aufgebrochene Haut ist mit handgestrichenen dänischen Ziegeln versehen, die auffallend sorgfältig verfugt wurden. Zum bürgerlichen Wohnviertel St. Alban mit seinen netten Häusern und Gärten hin wirken diese hohen Wände allzu gewaltig, gegenüber dem alten Kunstmuseum aber angemessen kraftvoll. Helle und dunklere Grauzonen deuten eine klassische Dreiteilung der Fassade an. Im oberen Drittel sind zwischen die Ziegel LED-Streifen für die Ausstellungswerbung eingelegt. Sorgfältig sind auch die weiteren Materialien gewählt und ausgeführt: Spiegelnd verzinkte Wände im Foyer, grauer Rauputz und polierte Marmorstufen im raffiniert gewendelten Treppenhaus, in den Ausstellungssälen fein geraute Sichtbetondecken und vorzüglich detaillierte Fensterrahmungen. In den nur mit Neonröhren versehenen Sälen ist das Licht zwar viel zu gleißend – hier muss abgedimmt werden. Doch in den Mischlichtsälen ist es sanft, in den Oberlichtsälen vorzüglich brillant. Wie sich hier alte Kunst behaupten kann, wird sich zeigen. Moderne Kunst jedenfalls hat keinerlei Probleme mit diesen starken Räumen. Basel setzt den Maßstab – auch für das gerade aus städtebaulichen Gründen so umstrittene Berliner Projekt der Nationalgalerieerweiterung.
Standort: St. Alban-Vorstadt 1, CH-4010 Basel Architekten: Christ & Gantenbein, Basel (CH) Bauzeit: Oktober 2012 bis April 2016
~Nikolaus Bernau