Barcelona

Flughafenterminal 1

~Markus Jakob

Mit 30 Mio. Passagieren stieß der Flughafen von Barcelona 2008 an seine Grenzen. Seit der Erweiterung von 1992 hatten sich die Fluggastzahlen verdreifacht – Europarekord, obwohl Iberia entschiedener denn je an Madrid als Spaniens einzigem Air-Hub festhielt. Barcelonas Ambitionen auf vermehrte interkontinentale Verbindungen hängen mithin von anderen Fluggesellschaften ab. Der im Sommer 2009 stufenweise in Betrieb genommene, die Kapazität beinahe verdoppelnde Terminal nimmt inzwischen 80 % des Verkehrs auf. Die seinerzeit gleichfalls von Ricardo Bofill um- und ausgebauten, nun T2 genannten Anlagen werden nun, in Erwartung weiter steigender Passagierzahlen, erneuert, auch wenn diese 2009 u. a. wegen der Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Barcelona eingebrochen sind.
Der neue Terminal liegt T-förmig zwischen den beiden parallel zum Meeresufer verlaufenden Pisten. Damit ist der ökologisch wertvolle Raum des Llobregat-Deltas praktisch aufgebraucht; eine Erweiterung durch Aufschüttungen war nie ernstlich erwogen worden. Der Anschluss ans Metronetz wird bis 2012 auf sich warten lassen, und auch der T2 und die S-Bahn sind vorläufig nur per Bus zu erreichen: ein Mangel, den die bei Nacht spektakuläre Anfahrt auf die Lichtinsel nicht wettmacht. Sie führt zwischen den Parkhauskuben unter den zentralen Baukörpern der rundum verglasten, sich von hier pfeilförmig 700 m weit zu den 43 Fingern erstreckenden Anlage (Gesamtfläche: 544 000 m²).
Der Meereshorizont erhöht, durch das serigrafierte Glas gesehen, noch den Eindruck der Abstraktheit unter dem weißen, sanft geschwungenen Aluminiumgewölbe: eine trotz ihrer Dimensionen fast unwirklich leicht wirkende Halle, der die blassgrünen Glaswürfel der Einbauten allerdings auch einen klinischen Anhauch verleihen. Vom tiefschwarzen Boden der Empfangshalle unterscheiden sich die Ruhezonen durch ein kräftiges Rot, die Zugänge durch ein diskretes Hellgrau. In seiner Komplexität äußerst geschickt strukturiert, nimmt der viergeschossige Baukörper neben der Parkhausterrasse einen großen Patio auf (was nicht nur die Raucher zu schätzen wissen), in dem unter einer Pergola wie in Japan künstliches Vogelgezwitscher erklingt. Die durch den linearen Grundriss an sich unproblematische Orientierung wird durch die zu diskrete Beschilderung erschwert. Dass es hier u. a. auch ein mit einem Michelin-Stern ausgezeichnetes Restaurant, ein Spa und sechs VIP-Säle gibt, droht so selbst Passagieren zu entgehen, die es so eilig gar nicht haben.
Standort: Flughafen Barcelona, El Prat de Llobregat Architekten: Ricardo Bofill Taller de Arquitectura, Barcelona Eröffnung: Juni 2009