Berlin-Kreuzberg

Axel-Springer-Neubau von Rem Koolhaas

»Journalismus ist Quatschen auf dem Flur« – dieses Bonmot des Hamburger Verlegers Henri Nannen scheint beim Neubau der Axel Springer SE in Architektur übersetzt worden zu sein. Eine Kommunikationslandschaft soll das »Arbeiten vor dem Computer als gemeinschaftliche Unternehmung erfahrbar machen«, so die Architekten.
Die Arbeitsatmosphäre soll werkstattartig sein: Im ganzen Haus gibt es Podeste und Sitzstufen als Treffpunkte, die die spontane Kommunikation, den informellen Austausch fördern. Der Neubau versteht sich als »gebautes Internet« und will nicht nur eine neue architektonische Identität für digitale Medien formulieren, sondern auch das Zeitungsviertel in der südlichen Friedrichstadt in die Zukunft katapultieren. »Dem Neubau merkt man den »Modernisierungs-Stress«, der im Internet-Zeitalter auf Printmedien lastet, jedoch auch überall an: Die statischen Verrenkungen mit hängenden Stockwerken zeugen davon.

Der konservative Axel-Springer-Verlag setzt auf OMAs Architektur, die das Feuilleton der hauseigenen Zeitung DIE WELT jahrelang nach Kräften bekämpft hat. Mit hierarchiearmen Großraumbüros für die Redaktionen möchte die Springer SE, die heute fast ausschließlich auf elektronische Medien fokussiert, ein bauliches Fanal im Quartier setzen. Der Neubau für eines der größten Verlagshäuser Europas bietet 3 500 Arbeitsplätze, Fernsehstudios und einen Newsroom für DIE WELT. Die »Medienzentrale für das Internetzeitalter« soll zeigen, wie die Nachrichtenbranche im digitalen Zeitalter tickt.

Zentrum des Hauses ist ein das ganze Gebäude durchdringender kathedralenhafter Allraum, die »Arbeits-Sphäre«, die vom ehemaligen Mauerverlauf, der sich durch das Gebäude zieht, zu einem riesigen, 45 m hohen Atrium mit gefalteter Fassade reicht, das »das Zusammenwachsen der beiden ehemaligen Stadthälften thematisiert«, so der Rotterdamer Architekt. Die Nord- und Südhälften werden über Brücken verbunden. Koolhaas, dessen Diplomarbeit einst die »Berliner Mauer als Architektur« betrachtete, hatte seine Karriere selbst als Journalist begonnen.
So schließen sich für ihn und seinen Bauherren die Kreise. Die Fassaden sind teilweise goldeloxiert – analog zur benachbarten Hochhausfassade, die einst den »Goldenen Westen« symbolisieren sollte.

Die oberste architektonische Funktion des Neubaus ist es, auf sich aufmerksam zu machen – und en passant »Innovation und Kreativität« der Mitarbeiter zu fördern. Das können Verlage angesichts des Strukturwandels ihrer Branche brauchen und in (über-)ambitionierten Neubauten als Statement eines Medienriesen postulieren.

~Ulf Meyer


Standort: Schützenstraße 26, 10117 Berlin
Architekten: Rem Koolhaas, OMA, Rotterdam
Bauzeit: Oktober 2016 bis Dezember 2019 (Schlüsselübergabe)


Online zeigt Axel Springer bereits, dass lange Texte out sind, Filme und Audio-Dateien in:
www.axelspringer-neubau.de »


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