Bürogebäude »Salt«

Amsterdam, Bürogebäude »Salt«

~Anneke Bokern

Der Minervahaven im Westen Amsterdams soll ab 2030 zum Wohnviertel transformiert werden. Um die zukünftige Konversion in die Wege zu leiten, dürfen nun bereits neue Bürobauten zwischen den Gewerbehallen und Lagerhäusern errichtet werden. Zielgruppe sind v. a. Firmen aus der Kreativbranche, die bezahlbare Arbeitsräume mit Parkplatz suchen und sich von der ruppigen Umgebung nicht abschrecken lassen.

Inzwischen sind einige Neubauten rund um die Danzigerbucht entstanden. Das auffälligste Exemplar ist ein gleißend weißes, expressives Hochhaus mit Schirmmütze, das von MVSA Architects für Calvin Klein und Tommy Hilfiger entworfen wurde. Dagegen nimmt sich der Beitrag von MVRDV angenehm zurückhaltend aus – und das, obwohl das Rotterdamer Büro gerade dafür eigentlich nicht bekannt ist.

Das SALT-Gebäude präsentiert sich auf den ersten Blick von der Straße aus als fünf Geschosse hoher, 30 x 30 m großer Betonquader. Bei näherem Hinsehen erweist es sich hingegen als L-förmige Figur. Während auf der Südseite Terrassen und Galerien liegen, durch die sich das Gebäude zum Blockinnern öffnet, setzen sich die Nord- und die Ostfassade jeweils aus 5 x 4 m großen Betonrahmen zusammen. Einziges Ornament ist die unterschiedliche, scheinbar nach dem Zufallsprinzip verteilte Sprosseneinteilung der Fenster: Manche Fenster haben keine Unterteilung, andere werden von dünnen Stahlrahmen in 3, 4, 9 oder 15 Felder aufgeteilt, einige Felder sind ganz geschlossen.

Die Innenausstattung ist minimal. Einziger Hingucker ist eine skulpturale Holztreppe in der Lobby, deren Fronten sich über fünf Geschosse zu einem Bergmassiv staffeln. Im EG liegt die Parkgarage, darüber befinden sich offene Büroflächen, die an verschiedene Firmen vermietet werden. In den hohen Räumen herrscht viel Beton vor, ohne Blendmaterialien oder sonstige Dekoration.

Die Rohheit des Betonbaus (mit, nach niederländischer Manier, nicht allzu ausgefeilten Details) verankert das Gebäude im Hafengebiet und kontrastiert es gleichzeitig sehr wirkungsvoll durch das abstrakte Spiel mit grafischen Flächen und filigranen Linien, das ein wenig an Minimal Art erinnert. Die kreative Zielgruppe dürfte sich in diesem Spannungsfeld sehr wohlfühlen. Etwas Wärme für das eher kühle Ambiente müssen die Mieter selbst mitbringen.

Standort: Danzigerbocht 39, NL-1013 AM Amsterdam
Architekten: MVRDV, Rotterdam
Bauzeit: Juni 2017 bis Juli 2018