(Zu) viele Stellschrauben

»Lohnt es sich wirklich, das letzte Tröpfchen herauszupressen?«, »In LP 5 gibt es nichts mehr zu ›heilen‹«, »Alle waren dagegen,
inkl. des Statikers« oder »falsch gelegte Bypässe«: Derlei teils kritische »Untertöne«finden sich nicht auf Vortragsfolien, wie man sie inzwischen oft im Nachgang zu Veranstaltungen wie etwa der am 10. Oktober in Hamburg stattgefundenen Konferenz »Energieeffiziente Gebäude 2017« (www.zebau.de) digital abrufen kann. In Verbindung mit Publikumsfragen und Gesprächen am Rand der Konferenz ließen sie ein Stimmungsbild erkennen, an welchem Punkt wir uns auf dem Weg zu »grünen Hausnummern« derzeit befinden. Im Fall des falsch gelegten Bypasses etwa in einer Sackgasse. Dies verdeutlichte der Techniker Uwe ter Vehn (Energieintensiv/Werk-statt-Schule) während seines Vortrags über Probleme in Passivhausschulen: So entpuppte sich nicht nur in einer der untersuchten Schulen eine vertauschte Wirkrichtung der Klappensteuerung bei der Wärmerückgewinnung als insofern katastrophal, dass im Sommer die Hitze drinnen gehalten und im Winter nach draußen gepustet wurde. Und nicht nur das: Auch mangelhafte Kalibrierung der Temperatursensoren in der Lüftung, Einstellungsfehler bei der Jalousiesteuerung bis hin zur ausgeschalteten Automatik – weil man logischerweise nicht ganztags in völlig abgedunkelten Räumen sitzen mochte – führen dazu, dass die Räume im Sommer überhitzen und sich die Nutzer nicht wohl darin fühlen. So gerät eine ganze Bauweise in Verruf. Jenen Problemen kommt man aber erst mit einer technischen Nachbetreuung und qualifizierten Ansprechpersonen überhaupt auf die Schliche, und daran fehlt es fast immer.

Die Konferenz hat in ihrem neunten Jahr also sinnvollerweise auch auf ältere Bauten geschaut, darunter bekannte Prototypen oder gar Energieikonen in Low-Tech-Standard. Themen wie energieeffiziente Quartiere oder die stets kontrovers geführte Diskussion über Cradle-to-cradle wurden ebenso aufgegriffen wie die Frage »Hilft viel – viel?« mit einem Vergleich derzeitiger Energiestandards hinsichtlich ihres CO2-Verbrauchs etc. Einzig schade, dass die rund 230 Teilnehmer sich bei der Fülle der Themen in vier parallel stattfindenden Blöcken nicht entsprechend vierteilen konnten.

Weitere Erkenntnisse des Tags: Planer sind oft selbst überrascht über unerwartet hohe PV-

Erträge, auch die Wasserbewirtschaftung wird langsam mitgeplant (Regenwasserversickerung anstelle zweitem Leitungssystem), Gründächer lassen sich auch unter PV realisieren, und Recyclingbeton kann auch dann zum Einsatz kommen, wenn in einer Bauherrenrunde zunächst 15 Leute – inkl. des Tragwerkplaners – dagegen sind und man nur beharrlich dafür kämpft. Also, geht doch! ~cf