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Grafik: Association of Collegiate Schools of Architecture, 2014

Wo sind die Männer?

Zum Symposium »Yes, we plan!« im DAM kamen Anfang Februar auf Einladung der deutschen Architektinnennetzwerke (n-ails) rund 150 Frauen und etwa drei Männer, um zu diskutieren, warum Frauen in der Architektur unsichtbar sind und auf den unteren Karrierestufen sitzenbleiben. Der Status Quo in Europa ist bekannt, aber erschütternd. Obwohl heute rund 50 % aller Architekturstudierenden weiblich sind, liegt der Frauenanteil in der BAK bei gerade einmal 34 %. Europäische Architekten verdienen mit vergleichbarer Verantwortung und Arbeitszeit 48 % mehr als ihre Kolleginnen. Sie erhalten mehr Reputation durch Auszeichnungen, Lehraufträge und Gremienmitgliedschaften. Die Frustration im Auditorium war greifbar, als die britische-deutsche Architektin Sarah Rivière die Fakten präsentierte.

Es ist frustrierend, dass berufliche Perspektiven von einer Arbeitskultur abhängen, die unter dem Diktat der Leidenschaft und eines ausgeprägten Wettbewerbs alle plattwalzt, die sich auch anderen Verantwortungen jenseits der Architektur stellen möchten oder müssen. Es ist frustrierend, dass sie von einem homogenen Arbeitsmodell, nämlich Vollzeit mit Überstunden, bestimmt werden. Es ist frustrierend, wie sie von der Frage nach Mutter-sein-oder-nicht abhängen, von unflexiblen Familienbildern und von personell und finanziell unzureichender Kinderbetreuung.

Es gibt keine positive Seite der Geschlechterverteilung in der Baubranche. Nicht für Frauen, nicht für Männer. Überhaupt, wo stehen die Männer in dieser Diskussion? Wo waren sie beim Symposium, im Auditorium und als Podiumsgäste? Die Gleichberechtigung ist auch ein Männerthema. Denn es geht um die Vielfalt der Lebensstile, eine respektvolle Arbeitskultur – und letztlich auch um die Qualität der Architektur, wie die schwedische Architektin Alexandra Hagen sagte: »Architekten bauen für eine vielfältige Gesellschaft. Ihre Teams sollten diese Diversität repräsentieren, um die beste Architektur dafür zu schaffen.« Natürlich nannte sie die bekannten Punkte, die ihr Land gut macht. Aber sie nannte auch Praktisches aus ihrem Büro: u. a. Meetings nur in Kernzeiten, flexible Arbeitszeiten mit Homeoffice und die Offenlegung aller Gehälter. Die Zuhörerinnen lauschten wie Kinder einem Weihnachtswunschzettel. Warum aber kommen wir in Deutschland nicht übers Wünschen hinaus? Die Initiativen zeigen großes Engagement im Netzwerken. Aber es scheint, als fehle es ihnen an Ressourcen, an politischer Erfahrung, an strategischem Kalkül, an konkreten Forderungen und einer effektiven Lobby, um das Thema auf eine Agenda und damit in Gesetze zu schreiben. Es fehlt ein Manifest. Und es fehlen Männer, die den Diskurs mit voranbringen.

~Rosa Grewe