Wenn Mary auf Elphi trifft

~Christian Marquart

Der Neid zählt nicht zu den noblen Gefühlen, die Kirchenväter sortierten ihn sogar unter die sieben Todsünden ein. Mit guten Gründen: Wer vom Neid zerfressen wird, macht sich das Leben schwer – erst recht, wenn er oder sie die Leut’ um die falschen Dinge beneidet. Erfordert es doch ein Mindestmaß an Klugheit, anderen wenigstens die »richtigen« Dinge nicht zu gönnen.

Es war z. B. töricht, jene Wohlbetuchten zu beneiden, die meinten, sich zu wirklich stolzen Luxuspreisen ein Apartment in der Hamburger Elbphilharmonie leisten zu müssen, möglichst weit oben, mit Blick über die Elbe, auf den Hafenbetrieb und die sagenhaften Sonnenuntergänge. Denn so direkt am rechten Elbufer, bei unpassender Windrichtung und ungefähr in Höhe der qualmenden Schlote vorbeigleitender Kreuzfahrtschiffe – etwa auch der riesigen »Queen Mary II« – erfährt man nicht nur die schönen Seiten des Daseins, sondern wird als Anwohner auch massiv belästigt von Immissionen, wie sie zuzeiten der Industrialisierung alltäglich waren. Die Privilegierten Europas lebten mit Rücksicht auf das Kleinklima immer im »West End« ihrer Metropolen; das »East End« wurde wohlweislich der Arbeiterklasse zugedacht – weil man dort beim Atmen den Ruß in der Luft wegfiltern mußte.

Etliche der Luxuswohnungen in Hamburgs »Elphi« sind derzeit noch im Ausbau, haben aber jetzt schon ein Rußproblem. Wie mir ein ungenannter »Eindringling« kürzlich glaubhaft versicherte, lagert sich auf den weich geschwungenen Glasfaserbrüstungen der kleinen Balkon-Loggien über der Elbe mit jeder Vorbeifahrt eines Ozeanriesen eine eklige Schmiere aus verbranntem Schweröl ab, die nur schwer abgeht, nicht nur von den Händen.

Klimatechnisch ist fast ganz Hamburg sein eigenes East End. So haben die Stadtoberen kürzlich über einige Verkehrsadern ein Dieselfahrverbot verhängt. Gibt es bald ein Schweröl-Verbot für die Kreuzfahrer? Sinnvoll wär’s. Oder wird man deren Terminal stromabwärts neu errichten? Das läge dann schon in Schleswig-Holstein.