WC DE LUXE

~Hartmut Möller

Auch profane Kleinstprojekte können als Herausforderung zu einfallsreichen Ideen führen. Die vom Architekturbüro gruppeomp markant gestalteten Toilettenhäuschen für niedersächsische Autobahnen mit dem Namen »PWC« (für »Parkplatz-WC«) wirken dem unwirtlichen Raststätten-Einerlei entgegen. Je nach Parkplatzgröße lassen sich in Reihe geschaltete Module (Unisex-WC-Kabinen, Urinalraum, Behinderten-WC) nach Bedarf kombinieren. Eine umlaufende Gitterrostfassade aus verzinktem Stahl schützt die in Beton ausgeführten Kabinen vor Vandalismus. Statisch zusammengefasst werden diese durch eine auskragende, Wetterschutz bietende Dachscheibe. Deren zeichenhafte Aufkantung verweist logogleich auf die Bestimmung des Bauwerks. Die grafisch attraktiv gestalteten Eingangsfassaden entstanden in Zusammenarbeit mit buero uebele und stellen eine farbliche Abstraktion von Höhenschichten eines jeweils ortsbezogenen Kartenausschnitts dar. Ein cleverer Trick: Bisher jedenfalls haben Graffitisprüher von einer »Verschönerung« abgesehen. Durch Illumination sind die Bauten des Nachts gekonnt in Szene gesetzt und entfalten Signalwirkung und Sicherheitsgefühl.
Innen versorgen Oberlichtkuppeln die Räume mit Tageslicht; aus Hygienegründen entschied man sich für leicht zu reinigende, fugenlose Stahlkeramik-Paneele als Wandverkleidung und Epoxidharzböden. Als besonderer Clou dürfte die Automation im hinteren Technikgang der Sanitäranlagen gelten. Nach Verlassen der Zelle wird die WC-Brille in diesen eingezogen, gesäubert und desinfiziert. Auch das Nachfüllen der Papierrollen und Flüssigseife funktioniert selbsttätig.
Einmal täglich wird die WC-Einheit kontrolliert und gewartet. Leider hängt die Sauberkeit der Kleinode nach wie vor von deren Nutzern ab. Da sich die jungen Architekten dieses besonderen Themas angenommen und eine löbliche Lösung gefunden haben, wurden sie völlig zu Recht mit dem niedersächsischen BDA-Nachwuchspreis »max 45« bedacht.