Verwobene Leere im Wartestand

~Paul Andreas

Córdoba – das ist die Stadt, die »aus dem Stoff der Zeit und der Träume gebaut ist«, schreibt Antonio Muñoz Molina in seiner historischen Erzählung »Stadt der Kalifen«. Auch bei der Vollendung des Medienkunstzentrums C4 – Centro de Creación Contemporánea de Córdoba [1] – scheint sich das aufs Neue zu bewahrheiten: Der 2005 vom Madrider Büro Nieto Sobejano entworfene, im Wettbewerb siegreiche Kulturkomplex (s. db 3/2011, S. 11) steht seit dem Abschluss aller Rohbauarbeiten Ende 2011 im Wartestand. Im Gegensatz zu manch anderer Investitionsruine im krisengebeutelten Spanien besteht allerdings Hoffnung: Bis 2014 soll das Haus reif für den Betrieb sein. Auch die Infrastruktur und Außenanlagen, die eigentlich im Schulterschluss mit dem (im letzten Jahr endgültig begrabenen) Kongresszentrum »Palacio del Sur« von OMA auf der Halbinsel Miraflores hätten entstehen sollen, werden dann gestemmt sein. Ob auf die Ankündigungen auch endlich Taten folgen, bleibt abzuwarten – ein Besuch des »Centro Andaluz de Creación Contemporánea« (so der neue offizielle Taufname der andalusischen Provinzregierung), ist in jedem Fall sehr anzuraten: Die polygonal ausgebildeten Haupträume, die von Künstlern als Atelier- und Ausstellungsräume in situ genutzt werden sollen, sind zu einem komplexen Raummosaik aus Sichtbeton [2/3] komponiert worden. Durch bewegliche, massive Stahlzwischenwände lässt sich dieses wabenartige Netzwerk flexibel bespielen, wobei die Belichtung abwechslungsvoll durch expressiv in den Raum hineingetriebene Lichttrichter oder über offene Lichthöfe erfolgt. Die dabei entstehende, labyrinthische Vielfalt der Raumperspektiven, die aus der variierten Kombination dreier Raummodule entsteht, weckt dabei nicht von ungefähr Assoziationen an den genius loci: Wer einmal die Mezquita in der einstigen Hauptstadt der Omaijaden besucht hat, der weiß, welches dicht gewebte perspektivische Netzwerk sich zwischen den parallel gefügten Schiffen der Gebetshalle aufspannt. An der Rückseite, die das C4 zum Südufer des Guadalquivir ausbildet, entwickelt sich dieses spannungsvolle Raumkonzept zur flächenhaften Arabeske: Die zusammen mit realities:united in glasfaserverstärkten Betonelementen umgesetzte Medienfassade ist ebenfalls in ein Cluster polygonaler Strukturen aufgelöst. Darin integrierte LEDs bilden die über 1 300 Pixel starke Membran zwischen innen und außen, materialisiertem und virtuellem Raum aus. Noch ist unklar, welche Künstler zu welchen Konditionen sich die neuen »Möglichkeitsräume« (Nieto Sobejano) aneignen dürfen. Der Traum des C4 wäre bis zum Ende gedacht, wenn bei der Auswahl nicht nur Rang und Namen, sondern auch solche Positionen eine Chance hätten, die als Katalysatoren auf die lokale Stadtgesellschaft und -entwicklung zurückwirkten.