Schwierige Vergleiche

~Jürgen Tietz

Was verbindet die deutsche Hauptstadt mit Mosul im Irak, Timbuktu in Mali und Aleppo in Syrien? Auf den ersten Blick relativ wenig. Der zweite Blick aber zeigt, dass aus all diesen Städten Denkmale in den aktuellen »Heritage at Risk World Report 2014/15« aufgenommen wurden. Veröffentlicht wird er seit 1999 von der internationalen Denkmalpflege Vereinigung ICOMOS (International Council on Monuments and Sites), die u. a. die UNESCO in Fragen des Welterbes berät. Was aber suchen Städte wie Wien oder Berlin auf derselben Liste wie Kriegs- und Krisengebiete, die seit Jahren durch fürchterliche Kriegsverbrechen und Tausende leidender Menschen die Nachrichten bestimmen? Ganz zu Recht beklagt ICOMOS derartige Gräueltaten, zumal sie mit der Zerstörung von kulturellem Erbe der Menschheit einhergehen. Diese unwiederbringlichen Verluste sind nicht nur »Begleiterscheinungen« grausamer Kriege. Sie richten sich gegen die kulturelle Identität der betroffenen Länder und im Fall von Palmyra auch gegen das Erbe der Antike und damit gegen die kulturellen Wurzeln Europas. Die Barbarei derartiger Zerstörungen stellt ICOMOS jedoch durch eine gemeinsame Auflistung im »Heritage at Risk Report« auf völlig unangemessene Weise auf eine Stufe mit anderen Denkmalen, wie der als gefährdet erachteten »visuellen Integrität« der Karlskirche in Wien durch die Aufstockung des benachbarten Wien Museums oder den Umbauplänen für die Berliner Hedwigs-Kathedrale. Es ist nicht sonderlich schwer zu bemerken, dass das Bonmot, hier würden Äpfel mit Birnen verglichen, für ein solches Vorgehen noch zu milde ist. Im Falle Berlins etwa fiel die Entscheidung für den Umbau von St. Hedwig nach einem reiflich abgewogenen, demokratisch legitimierten (die Berliner Denkmalpflege war an der Juryentscheidung des Wettbewerbs für St. Hedwig beteiligt) Prozess. Diese öffentlich kontrovers diskutierte und durch die geltende Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gestützte Entscheidung wird nun kurzerhand auf eine Stufe mit Gefährdung und Zerstörung von Welterbestätten durch Kriegsverbrecher gestellt. Dadurch schadet es der Sache der Denkmalpflege ebenso wie seinem eigenen Ruf. Durchaus bezeichnend ist, dass ICOMOS Schweiz darauf verzichtet, gefährdete Denkmale im eigenen Land in dem Report zu veröffentlichen. Zwar droht auch dort manchem Denkmal Ungemach – doch eben aus weit weniger schwerwiegenden Gründen als in den globalen Kriegs- und Krisengebieten.

Christoph Machat, John Ziesemer (Hg.), Heritage at Risk. World Report 2014-2015 on Monuments and Sites in Danger. 160 S., Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2017