Postkarte aus New York

Museen wachsen, das ist quasi naturgegeben, und erst recht solche, die Gegenwartskunst sammeln, benötigen mehr und immer mehr Platz. So auch das Museum of Modern Art (MoMA) in New York, das nur 15 Jahre nach der spektakulären Erweiterung durch Yoshio Taniguchi eine neuerliche Erweiterung abgeschlossen hat. Beauftragt wurden die New Yorker Büros Gensler sowie Diller Scofidio + Renfro, das sich derzeit vor Großaufträgen kaum retten kann – erst vor einem halben Jahr wurde das 550-Mio.-Dollar-Projekt »The Shed« am nördlichen Ende der High Line eröffnet.
Beim MoMA standen gut 400 Mio. Dollar zur Verfügung, um zwischen der 53. und 54. Straße vier Ebenen mit 4 500 m² Ausstellungsfläche zu verwirklichen. Doch von außen sieht man: fast nichts. Blickfänger ist stattdessen der schwarze, mehrfach abgeschrägte Hochhausturm von Jean Nouvel, in dessen unteren Geschossen sich die neuen Galerien befinden. Die Architekten bleiben ganz an der Sache orientiert, und das heißt in diesem Falle: die vorher etwas unübersichtliche Wegführung zu klären und die neuen Galerieräume mit den vorhandenen unmerklich zu verzahnen. Alles ist jetzt viel klarer, auch luftiger, etwa das auf doppelte Höhe gebrachte Westfoyer samt dem jetzt durch ein rasantes Flugdach akzentuierten Eingang an der 53. Straße. Die Räume für die auf die Ebenen 4 und 5 verteilte, deutlich erweiterte und vielfältigere Sammlung sind wunderbar in den Proportionen, lassen gelegentlich durch bodentiefe Fenster die quirlige Umgebung von Midtown Manhattan hereinschauen und versprechen, auch bei dem erwartbaren Besucheransturm die frühere Klaustrophobie zu vermeiden. Was will der Museumsbesucher mehr?

~Bernhard Schulz