Präsidentenwechsel in der Bundesarchitektenkammer

Peter Conradi geht, Arno S. Schmid kommt

»Ich habe zwei Amtszeiten als Präsident durchgehalten – das ist auch ein Erfolg. Es wäre nicht gut für die BAK gewesen, hätte ich als vierter BAK-Präsident in zwölf Jahren ebenfalls wegen des Vorstands mein Amt vorzeitig niedergelegt.« So Peter Conradi am 17. September in der Vorstandssitzung der Bundesarchitektenkammer, in der er sich in einer schlichten Feier verabschiedete. Von »durchgehalten« spricht er, denn so manches Mal war er dabei, den Bettel hinzuwerfen, fragte sich, ob er sich das mit seinen siebzig Jahren und einem mehr als dreißigjährigen Einsatz für Architektur, Denkmalpflege und Baukultur in Politik

und Verbandsarbeit noch antun müsse.
»Ich übergebe Ihnen heute, und morgen dem neuen Präsidenten die mir anvertraute BAK ohne Erblasten. Das war angesichts des trostlosen Zustands der BAK vor sechs Jahren nicht einfach.«
Man erinnere sich: Endlose Personalquerelen, Arbeitsgerichtsverfahren, Rechtsstreit wegen Oberkassel, gefährlich ungelöste Haushalts- und Steuerfragen. Gewichtige Länderkammern kündigten ihre Zugehörigkeit auf. Rückblickend war es ein Glücksfall, dass sich gerade Peter Conradi gewinnen ließ, mit seinem angeborenen Geschick und seinen in den vielen Jahren der Politik geschulten Führungs- und Verhandlungsfähigkeiten, die nicht gerade verlockende Aufgabe zu übernehmen.
Die Leistungsbilanz seiner Amtszeit ist stattlich: Die vom Bundeswirtschaftsminister hartnäckig verfolgte Abschaffung der HOAI, verbunden mit dem Anschlag auf den »freien Berufsstand«, ist abgewehrt. Das stark rückläufige und insgesamt gefährdete Wettbewerbswesen erfordert veränderte und einfachere Verfahren; eine Initiative ist angestoßen. Die BAK ist inzwischen auf europäischer und internationaler Ebene wirkungsvoll vertreten. Mit dem Netzwerk Architektur-Export (NAX) ist eine Einrichtung geschaffen, mit der der Export von Architektur und Planung unterstützt wird. Die »Initiative Architektur und Baukultur« als Gemeinschaftswerk des Bundesministers, der Kammern und der Verbände wäre ohne die Person Conradi wohl nicht zu Stande gekommen, hätte vor allem aber die entscheidenden inhaltlichen Impulse nicht erhalten. Conradi hat auch beharrlich auf ein transparentes Verfahren für die Beteiligung Deutschlands an der Architekturbiennale in Venedig hingewirkt. Das hat sich soeben ausgezahlt mit der einhelligen Wertschätzung des deutschen Beitrags.
Schließlich haben sich die BAK und Conradi in Person mit ihrem Gewicht für eine »dritte Säule« in der Förderung der Baukultur stark gemacht. Die gesetzlich verankerte Bundesstiftung Baukultur soll unabhängig von Politik und Verbandsinteressen mit Kompetenz und Autorität Maßstäbe für Baukultur in der Diskussion halten, Missstände benennen und Vorbilder herausstellen.
Conradi hat in seiner Antszeit den Weg in die ökonomischen und sozialen Bedingungen für das Bauen des 21. Jahrhunderts vorbereitet und dafür eine handlungsfähige Organisation in Gestalt der BAK geschaffen.
Sein Nachfolger findet gute Bedingungen vor, um nun die Dinge weiterzutreiben. Mit der Abwehr des Anschlags auf die HOAI ist es nicht getan. Nun steht die Reform derselben an, die bis zur Stunde nicht vorankommt. Das Wettbewerbswesen braucht einen grundlegenden neuen Impuls, sonst schrumpft es zu einer exotischen Nische.
Die Bundesstiftung Baukultur steht erst am Anfang der Gesetzgebung.
Die Vorbereitung der Planungs- und Bauberufe auf ein Jahrhundert des »Wandels ohne Wachstum« ist die wohl größte Herausforderung. Dass es nirgendwo mehr so weitergeht wie bisher und die Zeiten des Wachstums und der Expansion nicht mehr zurückkehren werden, geht noch immer nicht in die Köpfe.
Mit Arno S. Schmid folgt nun ein Präsident, der von der Landschaftsarchitektur geprägt ist, in seinem Wesen und in seiner fachlichen Kompetenz. Ob das ein Zufall ist? Professor Schmid ist ein bewundernswerter Moderator mit langjähriger Verbandserfahrung als Präsident des BDLA und der IFLA, nicht viel jünger als Peter Conradi, aber – wie dieser – voll jugendlicher Ideale, ein wenig gemildert durch die Weisheit des Alters.
Wir danken Peter Conradi für seine Arbeit an der Baukultur und wünschen Arnos S. Schmid Tatkraft, Erfolg und leidlich Spaß an seiner Aufgabe. Karl Ganser