Ohne Worte

~Jürgen Tietz

Von 200 Mio. auf gut 450 Mio. Euro ist ein satter Schluck aus der Steuerpulle. So hoch ist die bereits bewilligte Kostensteigerung für das Museum des 20. Jahrhunderts in Berlin, der neuen Kunstscheune der Basler Herzog &
de Meuron am Kulturforum. Den veranschlagten 364,2 Mio. für den Neubau werden dabei 52,2 Mio. für künftige Bau-Indexsteigerungen zugeschlagen sowie weitere 33,8 Mio. Risikokosten. Geht’s noch? Für’s Bauen in Berlin sind derartige Kostenexplosionen leider nichts Neues. Wobei, Hamburg mit seiner Elbphilharmonie, Architekten ebenfalls Herzog & de Meuron, beherrscht das mit den explodierenden Baukosten auch. Also gar nicht erst aufregen? Doch, gerade deshalb! Der Skandal um das Kulturforum begann bereits damit, dass schon im Wettbewerb eine »politische« Bausumme für das Museum kommuniziert wurde und man auf den notwendigen städtebaulichen Wettbewerb verzichtete. Nach dem Grund der Preissteigerung befragt, verwies
der welterfahrene Museumsarchitekt Jacques Herzog auf der Pressekonferenz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im September auf den schwierigen Baugrund und die hohen Anforderungen, die an zeitgemäße Museumsräume gestellt würden. Na, so eine Überraschung! Demut im Umgang mit Steuergeldern sieht anders aus, Stararchitekt hin, Stararchitekt her. Um nicht missverstanden zu werden: Gute Architektur darf und soll ihr Geld kosten. Im Zweifel sogar sehr viel Geld. Es geht aber darum, dass die Steuerbürger ein Recht auf verlässliche Zahlen und solide Planung haben, an die sich Politik und Architekten anschließend halten. Eine nonchalante Verdoppelung (!) der Kosten vor Baubeginn ist nicht hinnehmbar. Sie muss zwangsläufig einen sofortigen Stopp der Planung und einen kompletten Neustart nach sich ziehen statt, wie in Berlin, einen möglichst schnellen ersten Spatenstich noch im Herbst 2019, um Tatsachen zu schaffen. Mit diesem Vorgehen nehmen sowohl die Idee des Wettbewerbs als auch die ohnehin massiv angeschmuddelte Glaubwürdigkeit der Politik weiter Schaden.

Darüber hinaus lässt sich zum überarbeiteten Entwurf der Basler einiges anmerken, von der verqueren Idee eines großen Spiegels zur Nationalgalerie über die städtebaulich ungelöste Verbindung zur Gemäldegalerie bis hin zum inneren Raumkonzept, das laut O-Ton Architekten einer Bahnhofshalle gleicht. Man kann auch an eine Shoppingmall denken, so selbstreferenziell gibt sich der Entwurf. Was für eine architektonische Satteldacharroganz zwischen Scharoun und Mies.