Mehr Wert

»Dann mach ich es selbst! – Eigeninitiativen von Planern und Architekten« war das Thema der diesjährigen TRI, dem immer wieder gelungenen Internationalen Symposium für energieeffiziente Architektur im Bregenzer Festspiel- und Kongresshaus. Dort standen an drei Tagen im Mai Projekte im Vordergrund, die auf unternehmerische Modelle für nachhaltiges Bauen zurückgingen. So referierten etwa Rook Architekten aus Frankfurt a. M. über ihr erstes Baugruppenprojekt, den Scheffelhof [6], und ihre derzeitige Strohbaustelle. Die junge Unternehmerin Theresa Steininger aus Wien stellte den komplett energieautarken »Wohnwagon« [7] vor, und Klaus Jeschek aus Graz berichtete von der Sanierung eines Wohn- und Geschäftshauses: Hier legten die Mitarbeiter des Architekturbüros für das Sandstrahlen eines selbstentworfenen Musters auf einem Dickputzsystem [8] schließlich selbst Hand an, nachdem keine Firma die notwendige Haftung dafür übernehmen wollte. Und Architekt Kay Künzel, der schon zu Diplomzeiten mit der höheren »Kaste« der Projektsteuerer, Banken und lokalen Bauträgern zu kämpfen hatte (und schließlich gewann), rief zum Mut zur Eigeninitiative auf.

Damit die TRI keine Aneinanderreihung ermüdender Vorträge wird, wie man es zur Genüge aus anderen Konferenzen kennt, lässt sich die Programmleitung immer wieder neue Formate einfallen: Vor der üblichen ausführlichen Zeit für Fragen, die das Publikum auch jedes Mal intensiv nutzte, gab es nach jedem Vortrag eine zweiminütige »Schwätzpause« (zum Gespräch mit dem Nachbarn); sogenannte Pecha-Kucha-Vorträge (8 Kurzpräsentationen à 6:40 min – die Zeit wurde eingehalten!); den Exkursionsnachmittag zu drei Vorarlberger Bauten; und die eineinhalbstündige »Werkstatt«: Hier konnten die TRI-Teilnehmer das Programm selbst mitgestalten – Eigeninitiative also ausdrücklich erwünscht –, indem sie mögliche Themen für 30-minütige Gespräche vorschlugen und die anschließenden Diskussionsrunden dann sogar selbst leiteten. Die so ermittelten 10 Gesprächsthemen waren schließlich sehr unterschiedlicher Art: etwa die Vertiefung eines Aspekts aus dem Eröffnungsvortrag, eine Gesprächsrunde zu Baugruppen auf dem Land und eine zu ökologischen Baustoffen oder die Vorstellung der »neuen Nachbarschaft«, eine Idee zweier Schweizer zur Lösung des Ressourcenproblems.
So fuhr am Ende der Besucher nicht nur mit zahlreichen Inspirationen und neuen Kontakten zu Kollegen im deutschsprachigen Ausland nach Hause, sondern möglicherweise auch mit einem Lösungsansatz und Ideen für seine eigenen aktuellen Projekte. Wenn das mal kein Mehrwert ist. ~cf