Leserbrief

zum Leserbrief in db 5/2020, S. 7

Mit einem neuen Nutzungskonzept 2017 wurde die denkmalpflegerische Zielsetzung überdacht, was letztlich den theoretischen wie praktischen Unterschied beider Sanierungen unterstreicht: War bei der ersten 1997-99 die Ausstellung von Exponaten das Ziel, so ist bei der zweiten das Haus das eigentliche Exponat. Ein Rückbau von Einbauten und die Wiederherstellung des bauzeitlichen Raumgefüges waren daher unumgänglich.

Natürlich wurde die erwähnte Publikation bei der Grundlagenrecherche zur Machbarkeitsstudie zu Rate gezogen, aber sie enthielt keinerlei Informationen, die nicht auch aus einer Primär- oder einer aktuelleren Sekundärquelle (restauratorische Untersuchungen, Fotodokumentation) abzuleiten gewesen wäre, die alle dem Büro BRENNE ARCHITEKTEN vorliegen. Anders als dargestellt, richtete die erste Sanierung angesichts der seither erfolgten angewandten Forschung teilweise großen Schaden an der Bausubstanz an.

Noch nach einem Baustopp durch die Denkmalpflege im Herbst 1998 wurde der Fassadenputz mutwillig und mit großen Schäden an den Jurkosteinen fast völlig abgeschlagen, auch innen sollten Putze ohne Vor- bzw. Nachuntersuchung etwaiger Farbschichten entfernt werden. Im Haus Klee wurden die noch vorhandenen Triolinböden entsorgt, im Haus Kandinsky konnten diese nach Vorgabe der Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Abteilung Bauforschung der Stiftung Bauhaus Dessau geborgen oder in situ belassen werden. Auch die heute im neuen Bauhausmuseum ausgestellte Badewanne aus dem Haus Kandinsky wurde damals vor dem Container gerettet.

Das massive Schlitzen von Kabelkanälen im Putz mag für Brandschutz, Licht und Klimaanlage erforderlich gewesen sein, kann aber nicht als dezent und ohne Zerstörung von Originalsubstanz beschrieben werden. Auch können die grundrissverändernden Einbauten in Bad und Toiletten, im Zimmer Nina Kandinskys mit der (ebenfalls geschlitzten) Silberwand oder der Durchbruch zwischen den Haushälften im EG kaum bagatellisiert werden.

Für die Sanierung 2017-19 wurde auf zuvor erarbeitetes bauhistorisches und farbrestauratorisches Untersuchungsmaterial zurückgegriffen, das vom Planungsbüro CODEMA und dem Architekten Ralf Pfeiffer sowie vom Restaurator zur Verfügung gestellt wurde. Soweit hier Erkenntnisse vorlagen, bildeten sie eine Grundlage für die zweite Sanierung.

Da die von Herrn Michels und CODEMA beauftragte restauratorische Farbuntersuchung nur auf die Erstfassung fokussiert war, erbat das Denkmalamt eine Nachuntersuchung aller Folgeschichten bis 1933. Diese »Kärrnerarbeit« wurde in erster Linie den freiberuflichen wie amtlichen Restaurator/innen und der Denkmalpflege auferlegt. Lediglich die mikrochemische Untersuchung von vier Farbproben aus dem Treppenhaus Klee durch ProDenkmal wurde zugestanden. Nach dem Baustopp forderte die Denkmalpflege schließlich eine Unterlassung sämtlicher Eingriffe an den Oberflächen und ließ diese mit Teefilterpapier schützen. In klar dokumentierten Bereichen wurde nachuntersucht.

Tatsächlich müssen »unwahre und irreführende« Aussagen im Artikel eingeräumt werden: Nicht das Schlafzimmer Kandinskys war schwarz gestrichen, sondern das Esszimmer war teilweise schwarz. Die Goldnische befand sich in seinem Wohnzimmer, alle anderen Räume wurden in pastelligen Farben gehalten. Nur die Bäder sind neutral weiß gestrichen, in den Küchen ist teilweise noch der originale Boden, bei ihnen fehlt bis auf Speiseschränke und Lüftungsgitter die Ausstattung.

Die erwähnten Überformungen und Eingriffe konnten behutsam und prozesshaft revidiert werden, besonders im Hinblick auf die authentische Materialität der Anstriche als das Exponat schlechthin. Die sinnlos erfolgten und irreversiblen Schäden an der Bausubstanz bleiben, wenn auch überstrichen.

~Thomas Danzl, Ordinarius, TU München,
Winfried Brenne BDA/DWB, BRENNE ARCHITEKTEN, Berlin

Dieses Statement ist die Reaktion auf den Leserbrief von Norbert Michels in db 5/2020, als Direktor der Anhaltischen Gemäldegalerie maßgeblich an der Sanierung 1997-99 beteiligt. Er widerspricht dieser Darstellung. Das Schreiben liegt der Redaktion vor.