zu db 3/2017, Kommentar »Das Museum Barberini in Potsdam«

Leserbrief

~Thomas Albrecht, Architekt des Barberini (HILMER SATTLER ARCHITEKTEN AHLERS ALBRECHT, Berlin)

zum db-Kommentar 3/2017 »Das Museum Barberini in Potsdam« »

Einem sehr großen Missverständnis ist der Autor erlegen: Nicht Herr Plattner und Frau Merkel haben die Rekonstruktionen in Gang gesetzt, nein, es war unsere demokratisch organisierte Gesellschaft selber, mit all ihren entsprechenden Institutionen – man erinnere sich: Erst breites bürgerschaftliches Engagement (v. Boddien), dann jahrelange Diskussionen im Deutschen Bundestag, fraktionsübergreifend, insgesamt drei Beschlüsse des Bundestags, und dann: 2008 ein Wettbewerb für das Schloss im Herzen von Berlin, das 2019 fertig wird.
Ganz ähnlich in Potsdam: Nach jahrzehntelanger bewusster Zerstörung und Vernachlässigung des ehemaligen Zentrums beschloss die Stadt – auch hier: fraktionsübergreifend! – gestützt durch Bürgerinitiativen einen komplexen, ambitionierten Bebauungsplan mit dem Konzept der sogenannten Leitbauten, um die Identität der ehemaligen Residenzstadt wiederherzustellen.
Man wollte eben nicht die Fehler der 60er und 70er Jahre wiederholen, oder – die Gegenfrage sei hier einmal erlaubt – wo ist denn bitte das geglückte, modern wiederhergestellte Stadtzentrum, das – wie jetzt Potsdam und das Barberini – wöchentlich Zehntausende anzieht und begeistert?
Die breite bürgerschaftliche Demokratie will eben jetzt diese Rekonstruktionen, die nun einmal handwerklich und deshalb teuer sind und die eben nicht der Staat bezahlt. Gott sei Dank finden sich – wie in den Städten, die für bürgerschaftliches Handeln uns präsent sind (Florenz) – Menschen wie ein Herr Plattner, der eben dann eines dieser Häuser ausführt.
Und man sei sich bitte bewusst: Die Menschheit rekonstruiert wichtige verloren gegangenen Bauten seit dem 3. Jahrhundert v. Chr., in allen Ländern der Welt, zu allen Zeiten.
Um es auf einen Satz zu reduzieren: Was im Zentrum von Potsdam und Berlin jetzt hier und heute geschieht, ist ein völlig traditionelles, normales und konkludentes menschliches Handeln.