Leserbrief

~Michael M. Resch, Direktor des Höchstleistungsrechenzentrums Stuttgart (HLRS)

zu db 4/2017, S. 56-62
Die Beschreibung der Entwicklungen des Campus in Stuttgart-Vaihingen durch Frau Baus spiegelt die Situation sehr gut wider. Unter dem Druck der Entwicklungen in der Forschung und Lehre wird der Campus wesentlich als Verwertungsfläche betrachtet. So scheint auch das Konzept der »europäischen Stadt« mitunter eher der Versuch zu sein, auf gegebener Fläche in mathematischer Optimierung möglichst viele gleichartige Bauten unterzubringen. Zu bedauern ist, dass in dieser Debatte die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in einem offenen und breit gefassten Dialog einbezogen werden. Dies wäre auch für das von der Autorin angemahnte und zweifellos dringend notwendige Mobilitätskonzept wohl die Grundvoraussetzung. Wobei hier durch die Nähe zu Daimler und Porsche einerseits und die neuen Möglichkeiten der autonomen und vernetzten Mobilität andererseits sicher optimale Kooperationsvoraussetzungen gegeben wären, die aber derzeit leider nicht genutzt werden. Für die von Frau Baus klugerweise vorgeschlagene Durchmischung des Vaihinger Campus mit den Geistes- und Sozialwissenschaften müsste darüber hinaus die Frage nach dem Stellenwert des Campus im Zentrum von Stuttgart beantwortet werden. Auch dieser liegt im Dornröschenschlaf. Bevor also der von Frau Baus so engagiert und zielgenau geforderte Aufbruch in die Urbanität gelingen kann, wird es ein grundsätzliches Umdenken bei allen Betroffenen brauchen.