Ergebnisse des Wettbewerbs TEAMWORK BAU

Im Team erfolgreicher

Auf der BAU 2013 wurden die Sieger des neuen Wettbewerbs TEAMWORK BAU ausgezeichnet. Ausgelobt von den Architektur- und Handwerkstiteln der Konradin Mediengruppe – db deutsche bauzeitung, Metamorphose und bba sowie Malerblatt und BM Bau- und Möbelschreiner –, prämierte der Wettbewerb die herausragende Zusammenarbeit von Architekten und Handwerkern. Denn auf die kommt es an, wenn man Projekte in hoher Qualität realisieren will.

Was schätzen Architekten in der Zusammenarbeit mit Handwerkern, wofür finden Handwerker bei Architekten lobende Worte? Diese Fragen beantworten die 85 Projekte, die für den neu ins Leben gerufenen Wettbewerb TEAMWORK BAU eingereicht wurden. Zwei konnten sich für den 1. und 2., zwei weitere für den 3. Platz qualifizieren. Darüber hinaus gab es zwei Sonderpreise und eine Anerkennung. Die Jury setzte sich aus drei externen Fachleuten – Juryvorsitzender Kilian Stauss, Professor an der FH Rosenheim; Jan Theissen von AMUNT Architekten, Stuttgart; Wolfgang Heer vom Fachverband Schreinerhandwerk Bayern – und je einem Redakteur der auslobenden Zeitschriften zusammen. Während der Sichtung entstand ein deutliches Bild: Architekten wertschätzen Interesse und Zuverlässigkeit der Handwerker, Verständnis für den Entwurf und konstruktive Mitarbeit. Handwerker ihrerseits würdigen klar definierte Aufgaben, offene Ohren für ihre Vorschläge, Akzeptanz der technischen Aspekte und respektvolle Kommunikation.

Bis ins letzte Detail
Ein »bis ins letzte Detail durchdachtes« Projekt wählte die Jury auf den 1. Platz. Sie würdigte die sichtbar gelungene Kooperation zwischen Planern, Schreiner und Schlosser, den sensiblen Umgang mit dem Bestand sowie Qualität und Haptik des Baukörpers. Zwei Räume im EG eines Berliner Mietshauses wurden komplett entkernt, die Wände z. T. glatt verputzt und weiß gestrichen. Einer der Räume nimmt ein eingestelltes, dreidimensionales Allzweck-Möbel auf, das Küche, Abstellraum, Schlafplatz, Schrank und Bad zugleich ist. Entscheidender Faktor für dessen Gestaltung war die Vorliebe des Bauherrn für das Material Stahl, das nun in Form von 3 mm dicken Blechen das konstruktive Gerüst bildet. Füllungen aus Glas und dunkel gebeiztem Holz bilden die flächigen Abschlüsse. Für die Integration der Dreh- und Schiebetüren in die Stahlkorpusse wurden Sonderlösungen entwickelt. Das »inspirierende Design« war für den ausführenden Schreiner, Atelier Haußmann aus Berlin, ein starker Ansporn, sodass eine »gemeinsame kompromisslose Lösung« entstehen konnte. Die Architekten buchner + wienke, ebenfalls Berlin, äußern sich ihrerseits erfreut über die Begeisterung der Schreiner für das Konzept und deren »gewerkeübergreifendes Denken« und »konstruktiven Sachverstand«.
Filigran und tragfähig
Den 2. Platz belegt ein womöglich noch diffizileres Projekt. Hier ging ein wesentlicher Impuls vom künstlerischen Hintergrund des Schlossers, Schorsch Wolf aus Habitzheim, aus. Er beschäftigte sich schon vor Auftragserteilung detailliert mit dem Entwurf, sodass eine klare Vorstellung von dessen Ausführung entstand. In kleinen wechselseitigen Schritten arbeiteten er und die Planer netzwerkarchitekten, Darmstadt, anschließend den Entwurf durch, vom ersten Konzept bis zur CNC-Vorlage für jeden einzelnen Buchstaben.
Die beiden neuen Flügel des Hauptportals in der neugotischen evangelischen Sandsteinkirche in Walldorf tragen je ein grundlegendes Zitat der Reformation, ausgeführt als Schriftgitter, das in die Isolierverglasung der Tür eingelegt ist. Die Verglasung sollte sehr filigrane Rahmen bekommen, wofür sich Standardprodukte nicht eigneten. Der Schlosser entwickelte dafür schmale Randprofile, die oben und seitlich als Kantenschutz für die letztlich selbsttragenden Glasscheiben dienen. Nur das Basisprofil und die Türbänder – ebenfalls Sonderanfertigungen des Schlossers – sind kraftschlüssig mit dem Glas verbunden. Die 10 mm dicken Aluminiumbuchstaben der Zitate bilden ein selbsttragendes Gitter. Dessen Stabilität ergibt sich aus möglichst vielen Kontaktflächen zwischen Buchstaben und Zeilen – wobei die Zitate natürlich lesbar bleiben mussten. Die Planer loben im Rückblick Mut und Engagement des Schlossers, während dieser den Architekten Anerkennung für ihre Loyalität, u. a. unter Kostenaspekten, zollt.
»Rohbaufinish« und Bitumenschindeln
Zwei Projekte, ähnlich in Typus, Konstruktion und Ansprüchen, teilen sich den 3. Platz. Beide Male handelt es sich um ein Wohnhaus aus Holz, das in engem Kostenrahmen errichtet wurde. Haus Crussow in der Uckermark folgt der Tradition lokaler Bauernhöfe: Zusammen mit einem Nebengebäude bildet es einen Hof, der den zentralen Wohnraum nach außen erweitert. Um qualitätvolle Architektur mit hohem energetischen Standard und günstige Kosten zu verbinden, entschieden sich die Architekten, ANNABAU aus Berlin, für ein Minimum an (vorgefertigten) Wand- und Deckenflächen und ein hochwertiges »Rohbaufinish«. Die Konstruktion optimierten sie in engem Kontakt mit Handwerker und Tragwerksplaner. Sie besteht aus industriellen, sichtbaren Bindern aus Furnierschichtholz. Kostengünstige Wellfaserplatten bilden eine einheitliche Dach- und Fassadenverschalung. Mit diesen wenigen Materialien und der handwerklichen Qualität entsteht die hochwertige Wirkung des Gebäudes, sichtbar z. B. in den sauber ausgearbeiteten Kanten des Dachs. Auch in diesem Projekt trug die »gemeinsame Idee vom Charakter des Gebäudes« die Zusammenarbeit, darüber hinaus sich gegenseitig unterstützende Kompetenzen: Schuchardt Zimmerei & Holzrahmenbau aus Eggersdorf lobt, »dass Entscheidungen immer sofort und direkt vor Ort getroffen wurden«, während die Planer sich u. a. für den »ehrlichen Rat« des Holzbauers bedanken.
Nahe Linz (A) liegt Haus 001 von moserundhager Architekten mit Kapl Bau. Es ist ein Holzriegelbau, der ebenfalls von »rohen« Materialien und präziser Ausführung lebt. Erstmals wurden an der Fassade vertikal verlegte Bitumenschindeln eingesetzt, was vom ausführenden Handwerker eine ungewöhnliche und aufwendige Verarbeitung erforderte: Jede einzelne Schindel musste verstärkt genagelt und Stück für Stück angeflämmt werden. Im Innenausbau war Einfachheit und Schlichtheit gefragt, was äußerst präzise Umsetzung verlangte. Großformatige OSB-Platten, die ohne Sockelleisten exakt an den Fußboden anzupassen waren, prägen z. B. den zentralen Wohnbereich. In der Bewertung der Zusammenarbeit heben die Architekten nicht nur das große Wissen der Handwerker hervor, sondern auch deren Geduld bei der Besprechung der vielen Details mit den Planern und den jungen Bauherren. Die Holzbauer wiederum betonen die Offenheit der Architekten für verschiedene Lösungen und ihr Bemühen, den Bauablauf kompakt zu halten.
Mehrfach gekrümmte Betonschalen
Eine alte Bautechnik lebt wieder auf: mehrfach gekrümmte Betonschalen. Jetzt aber sind sie mit Carbonfasern bewehrt, mit den Vorzügen des schlanken Einbaus, der Verformbarkeit und Ressourcenschonung. Die Planer, AIB aus Bautzen, und der Hersteller, beweka aus Kahla, hatten den Anspruch, maßgetreue Elemente in gleichbleibender Qualität für die Serienproduktion zu entwickeln. Deshalb definierten sie für die 5 m hohen Schalen folgende Eckpunkte: eine leistungsfähige Schalung für die nur 4 cm dicken Bauteile, lagegenauer Einbau der textilen Bewehrung und Entwicklung eines passenden Feinbetons. Die bisher für so schlanke Bauteile unerprobte Methode des Pumpens in eine Negativschalung wurde durch zahlreiche Versuche, viel Handarbeit und ständige Abstimmung umgesetzt. Die Fertigteile können nun zu vielfältigen Schalentragwerken zusammengesetzt werden. In der Zusammenarbeit schätzten auch hier die Architekten die gegenseitige Achtung und »die Identifikation mit dem gemeinsamen Ziel«. Genau dasselbe lobt der Hersteller an den Planern: Kreativität und Mut – und darüber hinaus »besonnenes Arbeiten (…) mit Blick auf das Machbare«. •
~dr
Weitere Informationen,
auch über den zweiten Sonderpreis (Sanierung und Umbau einer Maschinenhalle zum Bürogebäude, Augsburg)
und die Anerkennung (Opferlichtstationen und Kirchenmobiliar für St. Jodokus, Bielefeld)
unter www.koop-bau.de