Gefühlte 1000

Wer zahlt eigentlich die energetische Sanierung? Was kommt mit der neuen EnEV auf uns zu, und wieso muss es überhaupt schon wieder eine Novellierung geben? Welche Durchführungsmöglichkeiten für eine energetische Sanierung, etwa als PPP-Modell oder Contractingverfahren, eignet sich für eine Kommune besonders? Diese und gefühlte 1000 weitere Fragen und Themen diskutierten Fachleute aus der Planung, von Behörden oder auch direkt aus den Ministerien, aus der Industrie oder der Finanzwirtschaft beim zweitägigen dena-Energieeffizienzkongress im September in Berlin. Die Fachtagung ist die größte Veranstaltung der umtriebigen Deutschen Energie-Agentur und fand bereits zum dritten Mal statt. Der Reihe nach also zumindest eine kleine Auswahl und Zusammenstellung einiger Themen, Ideen und Forderungen: Über die Kosten der energetischen Sanierung und v. a. deren Verteilung weiter zu streiten, sieht Wolfgang Beck vom Wohnungsunternehmen DAIG als verlorene Zeit – und plädiert, interessanterweise, in diesem Fall für eine Senkung der MwSt. auf 7 %, denn diese »sollte nicht weiter in der jetzigen Höhe ins Staatssäckel wandern«.

Dass die EnEV novelliert werden muss, liegt u. a. an der notwendigen Anpassung an die europäische Gebäuderichtlinie. Allerdings ist nicht vor dem Frühjahr 2013 mit ihrem Inkrafttreten zu rechnen, denn zurzeit wird der Entwurf erst den anderen Ministerien vorgelegt. Peter Rathert und Jürgen Stock vom BMVBS konnten aber bereits beruhigen: Für Bestandsbauten wird es zum Glück keine weitere Verschärfung der energetischen Anforderungen geben (s. hierzu auch die Telegramm-Meldung unter www.db-bauzeitung.de).
Über mögliche Durchführungsvarianten einer Kommune zur Sanierung ihrer Gebäude herrscht hingegen Uneinigkeit: Ob in Eigenregie mit kommunalem Kredit (und mehr Personal in den Baubehörden, bestehend etwa auch aus Projektentwicklern), als PPP-Lösung oder gleich über einen externen Dienstleister, der die Sanierung finanziert und eine Energieeinsparung garantiert – die Meinungen und Erfahrungen klafften auseinander.
Doch während solche Feinheiten im »Gebäudesanierungs-Block« diskutiert wurden, ging man das Thema im benachbarten Kongresssaal am zweiten Tag großmaßstäblicher und umfassender an. Hier zeigte der Lörracher Bürgermeister Michael Wilke auf, mit welch zahlreichen, kleinen Mitteln und Maßnahmen eine Kommune Energie einsparen kann. Lörrach wurde 2002 bereits als erste Kommune mit dem Schweizer Label »Energiestadt« und im Jahr 2010 mit dem »European Energy Award« in Gold ausgezeichnet.
Zuvor wurden eingereichte Projekte aus dem dena-Wettbewerb »Energieeffizienz in Kommunen – Gute Beispiele 2012« geehrt. Die Stadt Aachen erhielt dabei den ersten Preis für ihr vorbildliches Energieeffizienzkonzept. Über 30 Einzelprojekte wurden dort realisiert, von der Schaffung des Aachener Energiepreises über spezielle Fördermaßnahmen bis hin zu einer Vielzahl an Beratungsangeboten, sodass binnen vier Jahren insgesamt rund 2 % Endenergie eingespart werden konnten. Einen jeweils zweiten Preis bekamen Memmingen für ein Energie-Contracting-Projekt und Bamberg für ein Hallenbad in Passivhausbauweise.
Schade nur, dass die architektonische Gestaltung als ein Bestandteil von vielen Nachhaltigkeitsfaktoren sowohl bei den gekürten Neubauprojekten und bei der Zusammensetzung der Jury als auch bei den Vorträgen unter den Tisch fiel. Eher indirekt wurde an Architekten appelliert, indem sich immerhin zum Bereich der Energieberatung fast alle einig waren: Es gibt zu wenige, zu wenige qualifizierte oder auch vertrauenswürdige (unabhängige) Energieberater. Nur: Wie dieses Problem zu lösen ist, darüber hätte wohl mit Architekten diskutiert werden müssen. Und von denen waren, nun ja, leider reichlich wenige da. Zumal: Die Beantwortung dieser 1001 Frage hätte wohl wirklich den Rahmen gesprengt … ~cf