Baden-Württemberg aktualisiert Naturschutzgesetz

Gärten des Grauens

Schön sind sie nie, die sogenannten Schottergärten, die man in den letzten Jahren immer häufiger zu Gesicht bekommt. »Aber praktisch«, scheinen die Besitzer zu denken. Wozu solche Menschen überhaupt ein Haus mit Garten brauchen, während Familien mit Kindern in Stadtwohnungen verschmachten, ist ein weiteres Rätsel. Ökologisch sind die Steinwüsten auf jeden Fall ein Desaster. Sie heizen das Mikroklima auf (je dunkler das Gestein, desto mehr, natürlich), wohingegen selbst eine schlichte Grasdecke beim Kühlen und Befeuchten helfen würde. Wenn sich doch einzelne Pflanzen auf der Fläche finden – was die Insektenvielfalt mehren würde –, müssen sie stärker gegossen werden, weil die Deckung zu warm wird und kein Wasser hält, und oft kippen jätunlustige Besitzer auch noch Unkrautvernichtungsmittel auf die Fläche, damit sie »schön« bleibt.

Der baden-württembergische Landtag hat nun im Juli beschlossen, im Landesnaturschutzgesetz Schottergärten explizit zu verbieten. Eigentlich sind sie ohnehin nicht zulässig, da die LBO seit 1996 fordert, nicht überbaute Flächen als Grünflächen anzulegen, »soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden«. Sogleich entzündete sich eine Debatte darüber, was das für Nutzungen sein könnten, ebenso darum, wie mit »illegal« entstandenen Steinflächen umzugehen sei. Selbstverständlich umgehend beseitigen, beschied das Umweltministerium. Das Wirtschaftsministerium geht dagegen von einem Bestandsschutz aus. Und überhaupt: Sind geschotterte Spritzschutzflächen an der Hauswand oder Fahrradstellplätze vom Verbot betroffen oder nicht? Das Problem sind vermutlich wie immer die Kontrollen. Angesichts dessen, dass zurzeit zahlreiche Baubehörden überhaupt nicht mehr zu arbeiten scheinen, mutet das mal wieder wie ein Scheingefecht im Sommerloch an. Es steht zu hoffen, dass im Herbst die Exekutive wieder zur Vernunft (und zur Arbeit) kommt und der Pandemie der Schottergärten genauso entschlossen wie Corona entgegentritt.

Sommerlektüre bis dahin: das titelgebende Blog (und Buch) »Gärten des Grauens« von Ulf Soltau, das anschaulich belegt, warum die restlichen 15 Bundesländer dem Beispiel Baden-Württembergs folgen sollten. ~dr

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