Dorte Mandrup arkitekter gewinnen Wettbewerb für den Anhalter Bahnhof

Exilmuseum für Berlin

Die Wettbewerbsentscheidung für das Exilmuseum am Anhalter Bahnhof in Berlin ist gefallen. Eine zehnköpfige Jury, bestehend aus Architekten und Vertretern aus Politik und Gesellschaft, hat beim Preisgericht am 13. August aus neun eingereichten Arbeiten den Entwurf des Büros von Dorte Mandrup aus Kopenhagen zum Sieger gekürt. Zum Realisierungswettbewerb wurden zehn renommierte Architekturbüros mit Erfahrung im Museumsbau geladen. Gefordert war ein Haus mit ca. 3 500 m2 Fläche für das eigentliche Museum. Darüber hinaus sollten auf etwa 700 m2 Räume für Freizeit- und Kulturnutzungen entstehen, die separat erschlossen werden. Eine besondere Herausforderung war der Umgang mit dem Portal des ehemaligen Bahnhofs.

Das erstplatzierte Projekt von Dorte Mandrup inszeniert das Portal, indem das Museum in einem weiten Schwung die Ruine rahmt. Die hohen Bögen und die Verwendung von Ziegel nehmen Bezug auf das historische Fragment. Wichtig ist der Architektin der stufenfreie Übergang vom Platz in die stützenfreie Eingangshalle, was durch die Anwendung von durchgehendem Kopfsteinpflasterbelag und raumhohen Scheiben erreicht wird.

Im Gegensatz zur großen Geste der Kopenhagener zeigt sich das zweitplatzierte Projekt von Diller Scofidio + Renfro eher zurückhaltend. Die New Yorker setzten auf viel Glas und eine strenge Kubatur. Die eigentlichen Museumsräume sind von einer Glashülle umgeben. Ein Clou des Entwurfs ist die Eingangshalle, die sich als großes Schaufenster hinab zu den Fragmenten des Kellergeschosses des ehemaligen Bahnhofs öffnet.

Einen wiederum anderen Weg gehen Bruno Fioretti Marquez aus Berlin mit ihrem Entwurf, der den dritten Platz erzielte. Sie verlängern das Portal mutig mit schlichten Wandflächen aus Ziegeln.

Das Museum ist am Anhalter Bahnhof geplant. Hier bestiegen in den Jahren nach der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten unzählige Verfolgte den Zug, um ins Ausland zu fliehen. Der Standort mit der Portalruine steht symbolisch für den Einschnitt in den Lebensweg und den Aufbruch in eine ungewisse Zukunft des Exils.
Das künftige Exilmuseum » soll sich weniger auf das Ausstellen von Objekten konzentrieren, als vielmehr stark medial und mit szenografisch inszenierten Räumen arbeiten. Derzeit wird von Baukosten von rund 27 Mio. Euro für Baukonstruktion und technische Anlagen ausgegangen. Die Eröffnung des Museums ist für 2025 geplant. ~uk


Ausstellung aller Entwürfe:
29. September bis 17. Oktober 2020
Staatsbibliothek zu Berlin
Foyer
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin
Mo-Sa 8-22 Uhr


Stiftung Exilmuseum Berlin »

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