Energiegast

~Armin Scharf

Maximal fünf Jahre gastiert mitten in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung ein Gebäude, das sich anschickt, doppelt so viel Energie zu erzeugen wie es selbst verbraucht. Zu besichtigen ist es donnerstags von 15-18 Uhr. Das nach dem Standort Bruckmannnweg 10 »B10« getaufte Gebäude ist ein Prototyp, der zeigen soll, wie sich das Prinzip des Aktivhauses auf verdichtetes urbanes Bauen transferieren lässt. Treibende Kraft hinter dem Forschungsprojekt ist Werner Sobek, auch wenn als Bauherr die Stuttgarter E-Lab Projekt firmiert. Tatsächlich kommen Idee, energetisches und architektonisches Konzept aus Sobeks Büro, während der schwäbische Fertighausbauer Schwörer für die Umsetzung sorgte. Zwei seiner Wohnmodule »FlyingSpaces« bilden die Basis des 85 m² großen Projekts, funktionsfähige vorgefertigte Module in Holzbauweise, die in nur einem Tag vor Ort platziert wurden.
Der erzeugte Energie-Überschuss speist entweder die internen Stromspeicher, Lithium-Ionen-Akkus, den zugehörigen Elektro-Smart oder das benachbarte Doppelhaus von Le Corbusier. Letzteres natürlich nur virtuell, weil die Elektrizität zunächst in das allgemeine Stromnetz fließt. Doch das Prinzip, mit Aktivhäusern wie dem B10 weitere Gebäude energetisch zu optimieren, ist eins der erklärten Ziele des Projekts. So könnte das Aktivhaus in dieser oder einer anderen Form dereinst für energetisch autarke Ensembles oder Quartiere sorgen. Das B10 bezieht Strom und Wärme aus der wassergekühlten Photovoltaikanlage auf dem Dach – im Garten befindet sich ein 15 m³ großer Eisspeicher, im aufgeräumt durchgestalteten und geradezu miniaturisierten Technikbereich ein puffernder Wärmespeicher.
Die auf minimale Wandstärke getrimmte und vakuumgedämmte Holzrahmenkonstruktion deckt ein Glasfasergewebe wetterfest ab, die Straßenseite bestimmt eine durchgehende, geschosshohe Vakuumverglasung, die sich großflächig zur Terrasse öffnen lässt. Diese lässt sich außerdem hydraulisch um 90 ° nach oben klappen, das Gebäude verschließt sich damit wie eine Auster, was die Energieeffizienz nochmals vergrößert. Auch der Elektro-Smart rollt über eine dieser Terrassenelemente in sein eigenes Kompartiment innerhalb des Gebäudes – Carport war gestern.
Das im Rahmen des Forschungsclusters »Schaufenster Elektromobilität« vom Bund mitfinanzierte Projekt wird über zwei Jahre unterschiedlich genutzt und dabei einem strengen Monitoring durch das Institut für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren der Uni Stuttgart unterzogen – schließlich soll ermittelt werden, ob das Haus mit seiner hochvernetzten und per Tablet bedienbaren Haustechnik die berechneten Werte erreicht.