Einfach bis smart

Waren vor Jahren noch KfW, Energieeinspar-Höchstrekorde oder Passivhäuser und Zwangslüftung gern gesetzte Themen bei Veranstaltungen im Bereich des energieeffizienten Bauens, scheint nun allerorten Lowtech versus Hightech diskutiert werden zu wollen. Nicht anders im April in Bregenz bei der Tri 2018, dem 12. Internationalen Symposium für energieeffiziente und nachhaltige Architektur. Nur dass dort die Referenten nicht eben mal schnell am Rednerpult vorbeihuschten, sondern in bekannter Tri-Manier ausführlich zum diesjährigen Motto »Einfach! Smart!« Stellung bezogen, ausreichend Zeit für Fragen und Antworten bestand und auch das Publikum wie immer gekonnt miteinbezogen wurde. Wobei zunächst ein ungewöhnliches Veranstaltungsformat in Gestalt zweier Plädoyers überraschte, eines für »Einfach Lowtech« (vertreten durch Thomas Auer, Transsolar, mit der Hypothese: »Heizung, Lüftung und Kühlung manifestieren und kaschieren Planungsfehler«) und eines für »Smart Hightech« (Mike Pichler, Siemens: »Komfort kann ohne Technik nicht sichergestellt werden«). Dreimalig mit wunderschönen Klaviereinlagen voneinander getrennt, in denen das zuvor Gesagte wirken konnte, zeigte sich jedoch, dass sich beide Standpunkte nur bedingt gegenüberstellen lassen. So kam man vom Komfort über den Nutzereinfluss schnell zur Frage der Beherrschbarkeit der Technik und einer notwendigen Gebäudeeinregulierungsphase. Derlei Themen sowie die Frage, wieviel Technik man dem Menschen überhaupt zumuten kann, konnten die ca. 200 Teilnehmer im anschließenden »World-Café« – einer Workshop-Methode mit kleinen Gruppen, die sich alle 15  Minuten neu durchmischten – vertiefen, indem man sich länderübergreifend mit Kollegen über seine eigenen Planungserlebnisse (»Rückwärtsgewandtheit nervt!«) und Überlegungen (»Führt zuviel Gebäudeautomation zu einer Fehlsteuerung der menschlichen Intelligenz bzw. des Verhaltens?«) austauschte. Zu den Referenten zählten u. a. Hermann Kaufmann, die Schweizer Architekten Dietrich Schwarz und Beat Kämpfen sowie Lehmbaupionier Martin Rauch mit seinem jüngsten Projekt, dem Alnatura Campus in Darmstadt mit zweischaligen Fassadenfertigteilen aus Stampflehm mit eingebetteter Kerndämmung und Wandheizung. Bleibt zu hoffen, dass die Tri – trotz reduzierter landespolitischer Förderung – dank ihrer Hauptsponsoren (Drexel und Weiss sowie Gasser Energy) 2020 in gewohnter Form stattfindet. Dass diese nicht nur wichtige Geldgeber sind, sondern auch im Thema Nachhaltigkeit stark verwurzelt, zeigte Christof Drexel, der am Ende des Symposiums sein Buch vorstellte. Er verdeutlichte, wie die CO2-Reduktion – um die globale Erderwärmung unter 2° zu halten – von derzeit 12 auf 1 t CO2 p. P. und Jahr über eine Lebensstilanpassung, einen effizienteren Ressourceneinsatz und den Umstieg auf erneuerbare Energien gelingen kann – zusammen mit dem Abschlussvortrag Köbi Gantenbeins eine gelungene und sinnvolle Anregung zur persönlichen Gedankenerweiterung. ~cf

www.tri-info.com
www.zwei-grad-eine-tonne.at