Eine bemerkenswerte Frau

Es war wie eine Mischung aus Familientreffen und wissenschaftlichem Austausch, zu dem Mitte Mai in der TU Berlin zahlreiche Weggefährten und Freunde von Myra Warhaftig – Architektin, Feministin, Dozentin und Forscherin – zusammenkamen. Geladen hatte die von ihr gegründete »Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten« aus Anlass ihres zehnten Todestags. Eher familiär ging es am Vorabend des Symposiums zu, am folgenden Tag wurden die Schwerpunkte in Warhaftigs beruflicher Laufbahn samt ihren Auswirkungen gewürdigt: die Dissertation zur Befreiung der Frau aus der Küche durch veränderte Grundrisse, der hieraus entstandene Wohnblock zur IBA ’84/’87 und das Aufspüren der Schicksale von Hunderten jüdischer Architekten in Deutschland um 1933 in einem Lexikon. Während der feministische Impuls in der allgemeinen gesellschaftlichen Emanzipation aufging, ist letztere Forschungsleistung einzigartig und hat einige Folgeinitiativen hervorgebracht: am KIT, an der Bauhaus-Universität Weimar, an der Universität Potsdam, am Hamburger Institut für die Geschichte der deutschen Juden. In Israel wird z.B. Warhaftigs Buch »They Laid the Foundation« über den Beitrag deutschstämmiger Architekten zum Aufbau des Landes viel rezipiert. Wie sich die Kibbuzim u.a. unter dem »Staatsarchitekten« Arieh Sharon städtebaulich entwickelten, beleuchtete etwa der Vortrag der Architektin Liora Bar’am Shalal aus Haifa, während Sigal Davidi, seit Kurzem an der TU Berlin, wieder den Bogen zum Feminismus schlug, indem sie darstellte, wie die Frauen auch im neuen Land in die Küche verbannt wurden, statt wie erhofft auf Traktoren und Baustellen ihren Beitrag zu leisten.

Von Empathie und nüchternen Schlussfolgerungen zugleich geprägt war schließlich die mitreißende Erörterung von Gabi Dolff-Bonekämper, ehemalige Berliner Denkmalpflegerin, inwiefern »von einem jüdischen Architekten« ein Denkmalkriterium sein und wie das angemessen kommuniziert werden kann (natürlich nicht mit einer Plakette an jedem Haus, sondern mittels einer Datenbank). ~dr