Fachfremder Gründungsdirektor für die Bundesstiftung Bauakademie

Ein freundlicher Herr, der Herr Pronold

Die politisch intendierte Besetzung des Direktorenpostens der Berliner Bauakademie mit einem fachfremden Staatssekretär wächst sich zum handfesten Skandal aus.

~Falk Jaeger

Die Parallelen sind verblüffend. Erst gibt es ein (zu kleines) Budget vom Bund und den spontanen Baubeschluss der Parlamentarier, dann erst die Fragen: Rekonstruktion oder Neuentwurf? Und was ist eigentlich der Inhalt?

Beim Berliner Schloss ist alles entschieden, bei Schinkels Bauakademie gleich nebenan wird beides noch heftig diskutiert, nun jedoch deutlich übertönt von der allgemeinen Empörung über die Auswahl des neuen Direktors.

Florian Pronold aus dem bayerischen Deggendorf ist ein freundlicher, umgänglicher Mann, so einer, von dem man sich nicht vorstellen kann, dass er Feinde hat. Er ist gelernter Bankkaufmann, studierter Jurist, Politologe, Soziologe und zugelassener Rechtsanwalt. Seit 2002 sitzt er für die SPD im Bundestag. Als glückloser bayerischer SPD-Landesvorsitzender ab 2009 warf er 2017 das Handtuch: zu wenig Biss. Seit 2013 ist er Parlamentarischer Staatssekretär, zuerst im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Derzeit kümmert er sich im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit um Klimapolitik.

Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Offenkundig nichts. Oder doch? Denn immerhin hat der Stiftungsrat der Bundesstiftung Bauakademie Florian Pronold als Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie aus einem »großen und beeindruckenden Bewerberfeld« auserwählt.

Ein idealer Kandidat

Die Bekanntgabe rief in der Fachwelt einen Sturm der Entrüstung hervor. Denn in der Ausschreibung des Postens war ein ganz anderer beruflicher Hintergrund umschrieben: »Als ideale Kandidatin (m/w/d) verfügen Sie über ein abgeschlossenes, für die Themen der Bauakademie relevantes Hochschulstudium; Promotion oder Habilitation sind wünschenswert. Sie sind in der Welt des Bauens angesehen und themenübergreifend tätig, kennen und gestalten nationale und internationale Entwicklungen und Debatten im Baubereich mit. Sie haben Erfahrung mit Projekten und Formaten mehrdimensionaler Kommunikation (Museen, Ausstellungen, Messen, Festivals, Konferenzen).«

Die Leitmedien, die Verbände sowie ein vom Deutschen Architekturmuseum initiierter, von rund 560 (Stand Mitte Dezember) prominenten Architekten, Publizisten und Wissenschaftlern unterzeichneter offener Brief prangerten an, dass die mutmaßlich politisch begründete Auswahl in keinster Weise nachvollziehbar sei. Namhafte und einschlägig qualifizierte und renommierte Bewerber, die sich um ein tragfähiges Programm viele Gedanken gemacht hatten, wurden durch die Kür eines Quereinsteigers brüskiert.

Florian Pronold war fünf Jahre lang als Staatssekretär zuständig für Bau- und Stadtentwicklung. Er hatte das Projekt Bauakademie in turbulenten politischen Zeiten (Ministerwechsel, Affäre Gunther Adler) im Ministerium gefördert und vorangetrieben. Mit Kalkül. Schon vor Jahresfrist ließ er verlauten, er mache das. Was damals so verstanden wurde, dass er als zuständiger Ministeriale die Bauakademie auf die Schiene setze. Im Nachhinein wird auch klar, warum er die Bundesstiftung Baukultur ausbootete. Die Stiftung, von deren Satzung merkwürdige Parallelen in jener der Bauakademie auftauchen, wäre prädestiniert zur Aufbauhilfe für die Bauakademie gewesen. Vernünftigerweise, und die Vorschläge lagen auf dem Tisch, hätte man ohnehin beide fusioniert, aber das ist leider eine andere Baustelle.

Abgesehen davon, dass es von wenig Anstand zeugt, wenn sich ein Protagonist und Insider pro domo offensichtlich schon alle Strippen gezogen hat und sich auf eine solche Position bewirbt, fragt man sich, wie wenig politisches Gespür eine Auswahlkommission besitzt. Er habe ein substanzielles Programm vorgestellt, ist aus dem Auswahlgremium zu hören, er habe überzeugender gewirkt als die Mitbewerber. Auch die wenigen keiner Administration angehörenden Fachleute wie die BAK-Vorsitzende hätten ihn mit Überzeugung einstimmig gewählt. Dass die Ausschreibung nicht auf ihn zugeschnitten gewesen sei, beweise, dass man ergebnisoffen ausgewählt habe. Manche vermuten freilich, die Bürokraten im BMI hätten einfach von ähnlichen Ausschreibungen abgeschrieben.

Die eklatante Diskrepanz zwischen Ausschreibung und Auswahl hat zwischenzeitlich zwei Bewerber bewogen, eine einstweilige Verfügung zu veranlassen. Die Besetzung ist gestoppt. Pronold kann sein Amt vorerst nicht antreten, jedenfalls nicht als offizielle Besetzung, sondern allenfalls komissarisch.

Wie der Rechtsstreit zunächst auch ausgehen wird – zwei verschiedene Gerichte beurteilten die Klagen unterschiedlich – Florian Pronold ist eigentlich verbrannt und wäre gut beraten, sich in Deckung zu begeben und sich auf seinen Staatssekretärsposten zurückzuziehen.

Dann wird man sich auch noch einmal die Sache mit dem Vizedirektorat vornehmen müssen. Wie zu hören ist, fiel die noch nicht offizielle Wahl auf eine Kuratorin, die, so die durchaus sinnvolle Überlegung, das Defizit Pronolds auf dem Gebiet des Veranstaltungs- und Ausstellungswesens ausgleichen solle. Doch die wiederum hat nicht die in der Ausschreibung geforderten kaufmännischen Kompetenzen …

Die Causa zeigt, dass die Stiftung Bauakademie trotz der Konstruktion als privatrechtliche Stiftung viel zu nahe an der Politik und am Ministerium positioniert ist. Das ist aus manchen Gründen unklug, aus vielen ungut und aus einigen geradezu degoutant.

~Der Autor lebt als Publizist und freier Architekturkritiker in Berlin.



Juristische Auseinandersetzung:
Der Verlauf der inhaltlich völlig unergiebigen, dafür auf juristischer Ebene umso spitzfindiger geführten Auseinandersetzung zwischen Pronold und Fachleuten aus dem Baubereich ist nachzuvollziehen auf der Website des Fördervereins für die Schinkelsche Bauakademie e.V. »