Düsseldorf rund-erneuert

Mit der Fertigstellung der offenen Shopping-Mall »Kö-Bogen« ist die Düsseldorfer Stadterneuerung weiter fortgeschritten. Entworfen und realisiert wurde sie von Daniel Libeskind, der 2009 mit »die developer« den Investorenwettbewerb gewann. Der Jan-Wellem-Platz war bis zum Zweiten Weltkrieg dicht bebaut. Westlich daran schließt der Schadowplatz an. Dieser markiert das Nordende der Königsallee, die hier in den Hofgarten, einen Stadtpark, übergeht. Bis vor rund vier Jahren war der erstgenannte Platz mit der als Tausendfüßler (s. db 6/2009, S. 7) bezeichneten Hochstraße überbrückt. Darunter endeten viele Straßenbahnlinien und die zahllosen Gleise formten einen urbanen Unort. Das eigentliche Baugrundstück im nordwestlichen Anschluss war eine zugeparkte Brache. Städtebaulich ist das nun realisierte Projekt durchaus lobenswert, die Umsetzung ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Die Kubatur, selbst die Teilung in zwei Volumen und der verbindende Skywalk im 3. OG, war im städtebaulichen Rahmenplan vorgegeben. Dies gilt auch für die gekrümmte Bauflucht entlang des Hofgartens und für die Gebäudefront hin zur Königsallee. Prägnant für das 26 m hohe Ensemble, allerdings kein Gewinn für die Umgebung, sind seine unterschiedlichen Fassaden. Diese sind entlang der vorgegebenen Baufluchten ausgesprochen glatt ausgeführt, als Vorhangfassade aus schmalen, geschosshohen Aluminiumrahmen. Auf dieser Seite alternieren starre Glaselemente und 5 cm dicke Natursteinplatten aus Travertin. An den anderen Gebäudeflanken konnte der Architekt einen formalen Kontrast mit 40 cm dicken horizontalen Aluminiumgroßlamellen setzen. Sogenannte Cuts, rissartig in die Fassade eingeschnittene, nie senkrechte Spalten, segmentieren das Objekt äußerlich. Sie sind gut an quaderförmigen Pflanztrögen erkennbar, die ebenfalls schräg daraus hervorragen, und begrünt sind. Waren allerdings Libeskinds Diagonalen und Voids beim Jüdischen Museum noch unerhört und konzeptionell begründet, sind sie hier nur noch formalistisch. Auch wurde die äußere Segmentierung nach innen nicht fortgeführt, da für die jeweilige Innenarchitektur die gewerblichen Nutzer verantwortlich sind.

Libeskind wollte explizit einen repräsentativen Stadtraum schaffen, der zudem zum Verweilen einlädt. Das ist ihm gelungen. V. a. ist zu begrüßen, dass alle Geschäfte nur von außen zugänglich sind – eine Halböffentlichkeit, in der der Mall-Betreiber nach Gusto Platzverweise aussprechen könnte, ist hier ausnahmsweise nicht entstanden. ~red