Das soll’s gewesen sein?

Fünfunddreißig Jahre lang, von 1957 an, ließen die Eichstätter Bischöfe den Diözesan- und Universitäts-Baumeister Karljosef Schattner in Bistum und Stadt nach eigenem Gusto wirken und bauen: Neues, das sich am Alten reibt, selbstbewusst davon absetzt und doch nicht großspurig tut (s. z. B. db 6/2012, S. 8, und db 9/1989, S. 34). Als dann in den frühen 80er Jahren Schattners »Bauen im Bestand«, seine »Kunst der Fuge«, in aller Munde war, freute sich die Bauherrin still und bescheiden daran, dass das kleine Bischofsstädtchen im Altmühltal international geachtete Architekturgeschichte schrieb.

Neuerdings aber meldet man aus Eichstätt ganz anderes. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ausscheiden Karljosef Schattners wird die Geschichte eines der kreativsten Bauämter überhaupt beendet und ins Archiv gestellt. Fortan wird das Bauamt des Eichstätter Bischofs nicht mehr bauen, es wird nur noch verwalten und verwaltet. Weil, so der Bischof, man das Geld der Diözese lieber für die Seelsorge als für Steine und Glas ausgeben wolle. Das kommt gut an beim Kirchenvolk, das sich lange, oft und gerne an Schattners Architektur und der seiner Nachfolger, Karl Frey und zuletzt Richard Breitenhuber, gestört hatte.

Was für ein schäbiger Witz! Eben erst wagte das Diözesan- und Universitätsbauamt einen neuen Kontrapunkt zu den Architekturikonen von Gabriel de Gabrieli und Karljosef Schattner, da ist es mit dem Wagemut der Bauherrin Kirche auch schon vorbei. Winfried Glasmann, Architekt in Diensten des Bistums Eichstätt, durfte noch den Neubau für das Kirchenmusikamt der Diözese im Hof des Palais Ostein planen und bauen – und konnte dabei nicht wissen, dass dieser Neubau, hinter dem 1994 von Karljosef Schattner fertiggestellten Magazin für das Ordinariatsarchiv, der letzte des Bauamts sein würde.

Ob aber Schattner seinerzeit, als er seinen Nachlass dem Architekturmuseum München übereignete und seine Literaturbestände an die Bauhaus-Universität Weimar gab, wohl geahnt hat, dass sich die Eichstätter Bischöfe so schnell nach seiner Zeit ihre kreativsten Wurzeln abschneiden würden?

~Rüdiger Klein