Bewaldete Brücke

Bebaute Brücken gab es auch in London immer wieder, berühmt ist u. a. die jahrhundertelang dicht bebaute London Bridge. Nun soll westlich der Blackfriars Bridge eine bewachsene Brücke zwischen der U-Bahn-Station Temple am Nordufer der Themse und Queen’s Walk auf der Südseite entstehen. Anfang Dezember stimmte der Bezirk Westminster den Planungen von Thomas Heatherwick, Arup und Dan Pearson Studio für die »Garden Bridge« zu; der südliche Bezirk hatte bereits im November grünes Licht gegeben. Nachdem sich bei der Behörde der Nordseite ohnehin schon leichte Zweifel gemeldet hatten, protestierte der Denkmalpfleger der St. Paul’s Cathedral, die zwischen den Brücken liegen wird, lautstark, die hohen Bäume auf der Brücke würden den Blick auf die Kirche von Christopher Wren aus dem Jahr 1708 ruinieren, ganz zu schweigen von anderen historischen Blickachsen. Westminster hatte die Planungen nur mit Hinweis auf den öffentlichen Charakter genehmigt. Ob es sich bei dem Projekt, das 70 Mio. Pfund Steuergelder und insgesamt 175 Mio. Pfund kostet, tatsächlich um ein Geschenk an die Öffentlichkeit handelt, wird sich zeigen– sofern die Brückeüberhaupt gebaut wird –, denn schon jetzt gibt es Einschränkungen: Der Bauherr, der Bridge Garden Trust, will die Brücke 12-mal im Jahr für Fundraising-Veranstaltungen schließen, um die nötigen 3,5 Mio. Pfund für den jährlichen Unterhalt einzunehmen, ebenso soll sie zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens geschlossen sein und Gruppen ab acht Personen müssen ihren Besuch anmelden. Vorteil ist aber sicher, dass das Hin- und Herwechseln zwischen den beiden Themseufern erleichtern und sich der Fußgängerverkehr etwas entzerrren würde.

Londons Bürgermeister Boris Johnson, unerschrockener Treiber der verschiedensten Modernisierungsprojekte für die Hauptstadt, wollte am 18. Dezember ein Machtwort sprechen, doch wir müssen nun leider in Druck. ~dr