Baustoffe für die Zukunft

~Carsten Sauerbrei

»Mit welchen Produkten bauen wir unsere Zukunft?«. Unter diesem Motto stand Anfang Juni eine eintägige Konferenz, veranstaltet vom »Internationalen Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen – natureplus« und der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Antwort auf die Fragestellung fiel auf der Veranstaltung je nach Standpunkt sehr unterschiedlich aus. Befürwortern von Naturbaustoffen wie Holz und Lehm standen Vertreter etablierter Industriebaustoffe wie Beton gegenüber. Gleich im Eingangsvortrag zeigte der Berliner Architekt Eike Roswag-Klinge, wie er mit Lehm und Holz Gebäude mit hochgedämmten Wandkonstruktionen und diffusionsoffenen Oberflächen gestaltet. Dies erlaubt es ihm, bei Unterschreiten der geforderten Energiekennwerte auf Lüftungstechnik zu verzichten. »Ingenieurwissen statt Technik« umschrieb Roswag seinen Ansatz.
Auch Ludger Dederich wies auf das große Potenzial von Gebäuden aus Holz, diesmal als CO2-Speicher, hin. Auch heute schon sei es möglich, Holzgebäude zu bauen, die mehr CO2 binden als durch Herstellung und Betrieb emittiert wird. Normen zur Raumluftqualität, insbesondere zum Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen sollten jedoch überdacht werden, so betonte er, da sonst der Einsatz von harzreichem Nadelholz in Innenräumen unnötig erschwert würde.
Wie komplex eine Nachhaltigkeitsbewertung von Baustoffen ist, wurde anschließend im Forum »Nachhaltiger Beton« deutlich. Durch die Reduktion des Zementanteils im Beton könnten zwar CO2-Emissionen eingespart werden, wie die Vertreter der Betonindustrie und -forschung darlegten. Dies führe aber in der Konsequenz zu deutlich weniger tragfähigen oder langlebigen Betonen.
In den Diskussionsrunden waren sich alle Referenten darin einig, dass die Nachhaltigkeit von Bauprodukten nur über den gesamten Lebenszyklus bewertet werden könne. Weniger Einigkeit herrschte bei der Frage, ob eine KfW-Förderung von Naturbaustoffen sinnvoll sei. Dafür plädierten Vertreter der entsprechenden Hersteller und auch Eike Roswag-Klinge, denn es fehle an Wissen über diese Baustoffe und nur so lasse sich ein fairer Wettbewerb mit Produkten auf Erdölbasis erreichen.